Letztes Update am Mo, 05.06.2017 14:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Recht auf “würdevollen Tod“

Mafia-Boss Toto Riina soll aus Haft entlassen werden

Der 86-jährige Mafia-Pate Salvatore “Toto“ Riina soll wegen seines hohen Alters und seines schlechten Gesundheitszustands unter Hausarrest gestellt werden. Der ehemalige Boss der Cosa Nostra habe das Recht auf einen “würdevollen Tod“, lautet das Urteil des Obersten Gerichts in Rom.

Salvatore Riina bei seiner Verhaftung im Jahr 1993. Inzwischen ist der Mafia-Boss 86 Jahre alt.

© dpaSalvatore Riina bei seiner Verhaftung im Jahr 1993. Inzwischen ist der Mafia-Boss 86 Jahre alt.



Rom - Wegen seines hohen Alters und seines schwer angeschlagenen Gesundheitszustands soll der ehemalige Boss der sizilianischen Cosa Nostra, Toto Riina, unter Hausarrest gestellt werden. Der 86-jährige Mafia-Pate, der seit 1993 eine lebenslange Haftstrafe absitzt, habe wie jeder Häftling Recht auf einen "würdevollen Tod", urteilte am Montag das Oberste Gericht in Rom.

Die Richter nahmen somit einen Antrag der Verteidiger Riinas an. Diese waren immer wieder bei einem Gericht in Bologna mit ihrem Antrag gescheitert, Riina unter Hausarrest zu stellen. Das Gericht in Bologna muss jetzt aufgrund des Beschlusses des Obersten Gerichts entscheiden, ob Riina freikommen kann, unter Hausarrest gestellt, oder in ein Krankenhaus eingeliefert werden soll.

Für mindestens 150 Auftragsmorde verantwortlich

Riina war fast 20 Jahre lang einer der brutalsten und gefürchtetsten Paten der sizilianischen Mafia. Er wird für mehr als 150 Auftragsmorde verantwortlich gemacht und wurde rund 20 Mal zu lebenslanger Haft verurteilt. Er muss unter anderem eine Dauer-Videoüberwachung im Hochsicherheitsgefängnis von Parma dulden.

Unter anderem wurde Riina für schuldig befunden, in den Jahren 1992 und 1993 die Mordanschläge auf die Anti-Mafia Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino in Auftrag gegeben zu haben. Außerdem war er nach Überzeugung der italienischen Justiz einer der Drahtzieher von Anschlägen in Rom, Mailand und Florenz, bei denen 1993 zehn Menschen getötet wurden. (APA)