Letztes Update am Do, 08.06.2017 19:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Messerstiche waren Mordversuch: 14 Jahre Haft für Unterländer

Ein Streit in Jenbach endete im Februar mit einer lebensgefährlichen Stichverletzung. Die Staatsanwaltschaft warf einem 29-Jährigen Mordversuch vor, der Angeklagte selbst sprach von Notwehr. Mit sechs zu zwei Stimmen entschieden die Geschworenen auf Mordversuch. Der Mann wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der 29-Jährige muss sich am Donnerstag vor Gericht verantworten.

© Thomas BöhmDer 29-Jährige muss sich am Donnerstag vor Gericht verantworten.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck - Eine besonders knifflige Aufgabe hatten am Donnerstag Geschworene in einem Prozess am Landesgericht Innsbruck um Mordversuch zu lösen. Staatsanwältin Gertraud Pfeifenberger warf einem 29-jährigen Unterländer vor, einen 33 jährigem Jenbacher, mit dem er wegen eines Hauskaufs im Streit lag, am 6. Februar kurz nach 18.00 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Bürogebäude aufgelauert zu haben. Als das spätere Opfer das Gebäude verließ, wurde er laut Anklägerin vom 29-Jährigen zunächst beschimpft und mit einem etwa 25 Zentimeter langen Messer bedroht. In weiterer Folge versetzte der Angeklagte demnach dem Kontrahenten einen Kopfstoß und stach im unmittelbar daraufhin mit dem Messer seitlich in den Oberkörper. Dann ergriff der Angeklagte die Flucht.

Zwei Notoperationen

Das schwerverletzte Opfer konnte noch die in unmittelbarer Nähe befindliche Polizeistation aufsuchen, wo sofort der Notarzt verständigt wurde. Das Leben des Opfers konnte durch zwei Notoperationen gerettet werden.

Der Angeklagte konnte etwa eineinhalb Stunden nach der Tat im Jenbacher Gewerbebetrieb festgenommen werden. Das Messer führte er nicht mehr bei sich. Es konnte bis heute nicht mehr aufgefunden werden.

Am Donnerstag vor dem Schwurgericht gab der Angeklagte an, er habe den Hausverkäufer nicht töten wollen. Er habe auch gar kein Messer mit sich geführt - im Gegenteil. Es sei zu einem Streit gekommen, der 33jährige habe ihn attackiert und plötzlich einen spitzen Gegenstand in der Halt gehalten, den er ihm abgenommen habe. Allenfalls habe er dann im Zuge einer Abwehrbewegung den 33-Jährigen mit diesem Gegenstand verletzt. Auch er sei von dem wütenden und beleidigenden 33-Jährigen nicht nur provoziert, sondern auch an der Hand verletzt worden. Er habe dann vor dem Kontrahenten die Flucht ergriffen.

„Kein mordlustiger Geselle“

„Ich habe vor dem Angst gehabt!“, erklärte der Angeklagte. Auch Verteidiger Josef Harthaller wies auf die Notwehrsituation seines Mandanten hin: „Mein Mandant ist doch kein mordlustiger Geselle! Hier sitzt ein völlig unbescholtener Familienvater mit hervorragenden Arbeitszeugnissen, der gerade für 230.000 Euro ein Haus gekauft hat. Wegen eines Streits um einen 50-Euro-Parkplatz bringt so jemand doch niemanden um!“ Die Körperverletzung im Rahmen des eskalierten Handgemenges gestand Harthaller für seinen Mandanten sofort zu und überwies an das Opfer schon vorab 10.000 Euro. Verteidiger Harthaller: „Dies ist eine Geste und ein Zeichen, dass für die Körperverletzung Verantwortung übernehmen. Ansonsten hat mein Mandant in seinem ganzen Leben noch kein Aggressionsdelikt gesetzt und hier natürlich keinerlei Mordvorsatz.“

Zeugen bestätigten das Handgemenge, dachten teils zuerst aber sogar eine Rangelei zum Spaß. Der Bruder des Opfers erklärte indes, dass der Angeklagte mit seinem Bruder nie ausgekommen war und der 29-Jährige über die Unpünktlichkeit und Vergesslichkeit seines Bruders entnervt gewesen wäre.

14 Jahre Haft

Ob die Messerattacke nun tatsächlich ein Mordversuch gewesen war und sich der 29-Jährige dabei mit dem Tod des Hausverkäufers abgefunden hätte oder doch nur eine vorsätzliche Körperverletzung, die eine lebensgefährliche Verletzung zur Folge hatte, war, entschieden am Donnerstag die Geschworenen. Mit sechs zu zwei Stimmen sahen sie in den Messerstichen einen Mordversuch. Der Unterländer wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. Hätten die Geschworenen auf Körperverletzung entschieden, hätten „nur“ sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis gedroht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hatte sofort nach Ende der Verhandlung Nichtigkeitsbeschwerde eingereicht.