Letztes Update am Do, 28.09.2017 14:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Gift in Lebensmitteln: Deutsche Polizei sucht skrupellosen Erpresser

Einmal hat er seine Drohung bereits wahr gemacht: Ein Unbekannter droht in Deutschland, in Einkaufsmärkten Lebensmittel zu vergiften. Auch in Österreich könnte er zuschlagen.

Die Polizei sucht nach dem etwa 50 Jahre alten Mann, der vergiftete Lebensmittel in Supermärkten in Friedrichshafen deponiert haben soll.

© dpa/PolizeiDie Polizei sucht nach dem etwa 50 Jahre alten Mann, der vergiftete Lebensmittel in Supermärkten in Friedrichshafen deponiert haben soll.



Konstanz, Friedrichshafen — Ein Erpresser hält die Polizei in Deutschland in Atem: Der Unbekannte drohte in einer E-Mail damit, Lebensmittel in Supermärkten und Drogerien zu vergiften — in ganz Deutschland und sogar in Österreich. Das gab die Polizei Konstanz am Donnerstag in einer Pressekonferenz bekannt. Der Täter fordert einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag". Laut Medienberichten sollen es zehn Millionen Euro sein. Eine internationale Fahndung nach dem Erpresser, vor allem in Österreich und der Schweiz, läuft.

Einmal hat er bereits zugeschlagen: Vergangenen Samstag deponierte der Erpresser in Friedrichshafen am Bodensee fünf vergiftete Gläschen mit Babynahrung. Doch er informierte die Polizei, Beamte räumten die Regale leer und konnten die präparierten Produkte aus dem Verkehr ziehen. Welche Unternehmen betroffen waren, wollten die zuständigen Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft aus „ermittlungstaktischen Gründen" nicht sagen.

Als Schadstoff bei der Lebensmittelerpressung ist den Behörden zufolge Äthylenglykol verwendet worden. „Es wurde in die Nahrung eingerührt", sagte Ministerialrätin Petra Mock. Es handele sich um eine klare, süß schmeckende Flüssigkeit. „Schon 30 Milliliter sind bei Erwachsenen gesundheitsgefährdend", sagte sie. Äthylenglykol müsse aber nicht tödlich sein, wenn rechtzeitig ärztlich dagegen vorgegangen werde, sagte Mock.

Trotzdem warnt die Polizei vor dem Erpresser: „Wir haben es mit einem sehr skrupellosen Täter zu tun, der ernste Gesundheitsgefahren bis zum Tod billigend in Kauf nimmt", sagte Polizeivizepräsident Uwe Stürmer. Eine Sonderkommission (Soko) wurde eingerichtet, rund 220 Polizeibeamte arbeiten an dem Fall.

Die Polizei bittet um Hinweise auf den mutmaßlichen Erpresser.
Die Polizei bittet um Hinweise auf den mutmaßlichen Erpresser.
- Polizei

Auch Märkte in Österreich könnten Ziel sein

Eine heiße Spur haben die Ermittler bereits: Es gibt Aufnahmen aus einer Überwachungskamera. Die Polizei geht davon aus, dass es sich „sehr wahrscheinlich um den Giftausbringer" handelt. Der Mann ist etwa 50 Jahre alt, schlank und mittelgroß — „also weder auffallend klein noch auffallend groß". Er habe „eventuell zur Tarnung" eine Brille getragen. Besonders auffällig sei ein weißer Sohlenrand an den Sportschuhen des Abgebildeten gewesen.

Die Erpresser-E-Mail ging an Handelskonzerne, Verbraucherschutzorganisationen und die Polizei. Der Unbekannte habe ein „sehr detailliertes Szenario" vorgegeben. Aber welche 20 verschiedenen Lebensmittel er vergiften wolle, habe er verschwiegen. Im Visier habe er Handelsunternehmen in ganz Deutschland, aber es gebe auch „Bezüge nach Österreich".

Die Polizei bittet Kunden, beim Kauf von Produkten auf Manipulationen zu achten. So zum Beispiel, ob ein Knacken zu hören ist, wenn ein Glas geöffnet wird. Im Fall, dass etwas auffällt solle sofort der Markt und die Polizei informiert werden. "Es besteht aber kein Anlass zu Panik oder Hysterie", sagte Stürmer.

Die Polizei in Konstanz bittet nun um Hinweise auf den Verdächtigen. „Ziel ist es, den Täter möglichst schnell zu identifizieren und weitere Handlungen zu verhindern", sagte Stürmer. Für Hinweise wurde eine Hotline eingerichtet: +49 7531 995 3434.

Die Fahndungsbilder und eine Videosequenz sehen Sie hier. (smo, dpa)