Letztes Update am Do, 12.10.2017 06:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Osttirol

Gondeldrama als Folge von Irrtümern

Diversionen ergingen nach dem Seilbahnunglück von Prägraten über einen Bergführer und die Bahnverantwortlichen.

Bei dem Absturz der Materialseilbahn im März wurden drei Personen verletzt.

© BR Prägraten/AlpinpolizeiBei dem Absturz der Materialseilbahn im März wurden drei Personen verletzt.



Von Katharina Krabacher

Innsbruck, Prägraten – Nach dem Unfall mit einer Materialseilbahn in Prägraten am Großvenediger im März erging gestern am Landesgericht ein Urteil. Zwei Verantwortliche der Seilbahn und ein Bergführer waren wegen grob fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Demnach hätten die Verantwortlichen vier Personen mit der Seilbahn auf die Essener-Rostocker Hütte auffahren lassen, obwohl die zulässige Beladung überschritten wurde, Lawinenwarnstufe vier bestand und die Seilbahn nicht zum Transport von Hüttengästen zugelassen war.

Eine Staublawine hatte darauf zum Absturz der Gondel geführt – eine Frau und zwei Männer waren verletzt worden. Beim Prozess wiesen sich nicht nur die Angeklagten gegenseitig die Schuld zu, sondern kam auch schnell hervor, dass Kommunikationsmängel das Unglück mitverursachten. Richter Norbert Hofer: „Eine klassische Situation, jeder verlässt sich auf den anderen und gibt Informationen nicht weiter – dann passiert es eben.“ Der für die Seilbahn zuständige Hüttenwirt hatte am Unglückstag keinen Internetempfang und war somit nicht über die Lawinensituation informiert. Die Meldung, dass kurz zuvor bereits in der Nähe eine Lawine abgegangen war, hatte wiederum der Bergführer dem Wirt nicht weitergegeben. Der Bergführer meinte zudem, dass er für seine Schützlinge in der Seilbahn nicht verantwortlich sei, was vom Richter bestritten wurde. Grob fahrlässiges Handeln wurde jedoch nicht angenommen, so ergingen Diversionen über je 1000 Euro Geldbuße und 250 Euro Verfahrenskosten.