Letztes Update am So, 03.12.2017 12:16

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Justiz und Kriminalität

Reichskriegsflagge in Carabinieri-Kaserne: Empörung in Italien

Der Militärangehörige, der die Fahne in seinem Zimmer aufgehängt hatte, ist von der Militärstaatsanwaltschaft und der Justiz in Florenz angezeigt worden.

Symbolbild.

© TT/Thomas BöhmSymbolbild.



Florenz – Eine deutsche Reichskriegsflagge in einer Carabinieri-Kaserne in Florenz sorgt für Eklat in Italien. Der Militärangehörige, der die Fahne in seinem Zimmer aufgehängt hatte, ist von der Militärstaatsanwaltschaft und der Justiz in Florenz angezeigt worden. Ihm droht eine schwere Strafe. Die im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) verwendete Kriegsflagge gilt als Erkennungszeichen von Neonazis.

Ein Videoreporter hatte zufällig von der Straße aus die an einer Wand des Zimmers hängende Fahne beobachtet, sie gefilmt und das Video auf der Webseite eines lokalen Nachrichtenportals veröffentlicht. Das Video sorgte für Wirbel. Eine interne Untersuchung wurde eingeleitet. Verteidigungsminister Roberta Pinotti erklärte sich empört und bat den Carabinieri-Generalkommandant Tullio Del Sette um eine Erklärung und um vorbildhaft Strafen.

Aufflammen von Rechtsextremismus

„Ein Militär schwört der Republik seine Treue. Wer eine Reichskriegsflagge aushängt, ist nicht würdig, Mitglied der Carabinieri zu sein“, sagte Pinotti. Die Carabinieri gehören zu den italienischen Streitkräften, sie haben aber vor allem auch polizeiliche Aufgaben.

In Italien ist derzeit eine heftige Debatte über ein Aufflammen von Rechtsextremismus im Gange. Italiens Ex-Premier Matteo Renzi hat zu einem entschlossenen Vorgehen gegen rechtsextremistische Gewalt aufgerufen, nachdem am Mittwoch vier Aktivisten der rechtsextremistischen Gruppe „Veneto Fronte Skinheads“ von der Polizei in Como angezeigt wurden. Sie waren in einen Saal eingedrungen, wo sich Anhänger des Netzwerks „Como Senza Frontiere“ versammelt hatten, das aus Pro-Migranten-Verbänden besteht. Die Skinheads unterbrachen das Treffen und verlasen eine Presseerklärung mit starker Kritik am Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand in der an die Schweiz grenzenden Stadt. Renzi sagte, es sei Pflicht aller Parteien, nicht nur der Linkskräfte, den Vorfall zu verurteilen. (APA)