Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.04.2018


Exklusiv

Wasserbombe: Keine Gefahr des täglichen Lebens

Für schwerste Augenverletzungen muss ein junger Wasserbombenwerfer laut Oberstem Gerichtshof nun selbst lebenslang finanziell geradestehen.

Ein Musikfestivalbesucher wurde von einer Wasserbombe getroffen und schwer verletzt. Die Haftpflichtversicherung muss dem Werfer nicht haften.

© iStockEin Musikfestivalbesucher wurde von einer Wasserbombe getroffen und schwer verletzt. Die Haftpflichtversicherung muss dem Werfer nicht haften.



Von Reinhard Fellner

Wien, Innsbruck – Wo Schluss mit lustig ist und wo gleichzeitig auch die Grenzen einer Haushaltshaftpflichtversicherung liegen, entschied nun der Oberste Gerichtshof.

Ausgangspunkt für die richtungsweisende Entscheidung des OGH war ein sommerliches Musikfestival, auf dem sich drei junge Tiroler mit einer eigens im Internet bestellten Drei-Mann-Wasserbombenschleuder eine feuchte Schlacht mit anderen Besuchern lieferten.

Aus dem vermeintlichen Spaß inmitten von 30.000 Besuchern wurde jedoch nach dem zweiten Fehlschuss bitterer Ernst. War doch von einer der Wasserbomben ein unbeteiligter Konzertbesucher in relativer Nähe am Kopf getroffen worden. Die Folgen waren dramatisch: Ausriss des Unterlids, Brüche im Bereich der gesamten Augenhöhle und eine dauerhafte Schädigung des Sehnervs und der Augen-Netzhaut. Die Sehkraft am getroffenen rechten Auge wird für den Konzertbesucher deshalb lebenslang auf nur noch 30 Prozent reduziert sein.

Noch bevor das Opfer Schadenersatzansprüche stellte, wandte sich der Vater des „Schützen“ an dessen Haushaltsversicherung mit der Bitte um Deckung aus der Haftpflichtversicherung.

Das Institut lehnte über seinen Innsbrucker Rechtsanwalt Martin Wuelz jedoch jegliche Haftungsübernahme in diesem Fall ab. Denn erstens habe sich der Bombenwerfer entgegen Sachverhaltsfeststellungspflichten vom Tatort entfernt und würde weiters durch den Abschuss von Wasserbomben per Schleuder keine Gefahr des täglichen Lebens eröffnet. RA Wuelz: „Sogar die Betriebsanleitung der Schleuder warnt davor, damit auf Menschen zu schießen. So war leicht erkennbar, welche Gefahr von so einer Schleuder, die schließlich von zwei Männern gespannt werden muss, ausgeht.“ Wuelz’ Rechtsmeinung hatte über drei Instanzen Bestand. Meinte das zuständige Bezirksgericht noch, dass „Jux und Tollerei“ zum täglichen Leben gehörten, versagte es jedoch die Versicherungshaftung wegen Verstoßes gegen die vertragliche Mitwirkungspflichten am Unfallort. Das Landesgericht und der Oberste Gerichtshof versagten jedoch eine Haftung der Versicherung, da es sich beim Geschehen um keine Gefahr des täglichen Lebens handelt: „Die Warnhinweise am Verkaufsportal, die Anleitung und dessen Mechanik weisen das Gerät im Einsatz gegen Personen wegen der unbekannten Energie und Geschwindigkeit der Geschosse als offenkundig gefährlich aus. Dass damit nicht gezielt geschossen werden kann,macht das Gerät noch gefährlicher.“

Bitter: Der Bursche haftet dem Verletzten nun persönlich für Schmerzensgeld im fünfstelligen Bereich, künftige Verdienstausfälle und Regress der Sozialversicherung.