Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


Tirol

Auf Tuchfühlung mit Glock, Sturmgewehr und Taser

Im Rahmen des Journalistentages auf dem Arzler Schießstand ermöglichte die Tiroler Exekutive einen Blick hinter die Kulissen der täglichen Polizeiarbeit.

© Paumgartten



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – In der Theorie hat das alles noch relativ einfach geklungen: Kimme und Korn müssen eine Ebene bilden und das Auge darauf scharf gestellt sein. Konzentrieren, Finger auf den Abzug legen, dann an- und schließlich abdrücken. Doch jetzt, im Wissen, eine geladene Dienstwaffe der Polizei in Händen zu halten, scheint die Zielscheibe plötzlich zu wandern und die Glock 17 an Gewicht zugelegt zu haben. Tief Luft holen, den Finger krümmen, der Schuss fällt. Die Patronenhülse schleudert gegen die Seitenwand des Schießstandes und dann gegen den Gehörschutz. Der Rückstoß reißt die Arme etwas in die Höhe. Er ist kräftiger als erwartet, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Wo der Schuss gelandet ist? Hoffentlich irgendwo im Bereich des Ziels, das in 25 Metern Entfernung angebracht ist.

Die Tiroler Polizei lud gestern Vormittag zum Journalistentag auf den Landesschießstand im Innsbrucker Stadtteil Arzl. „Ziel ist es, Einblicke in die Polizeiarbeit zu geben und über unsere Ausrüstung zu informieren“, erklärt Landespolizeidirektor Helmut Tomac. Im Stationenbetrieb machten die Beamten die Journalisten mit der Funktionsweise von kugelsicheren Westen vertraut, klärten über den Einsatz des Sturmgewehrs (StG) 77 und dessen Nachfolgers StG 77 A3 auf und präsentierten die neuen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten der Exekutive. So ist es etwa mittlerweile möglich, Autokennzeichen per Scan mit dem Diensthandy über eine App abzufragen, ohne Rücksprache mit der Zentrale halten zu müssen. Auch die Funktionsweise des Tasers – einer hochwirksamen Elektroschockwaffe, die nur von geschulten Beamten getragen und abgefeuert werden darf – wurde demonstriert. Ein Schuss daraus wirkt auf das sensorische und motorische Nervensystem und setzt Angreifer außer Gefecht.

Am Ende der Schießübung mit der Glock auf dem Schießstand werden die Zielscheibe herangeholt und die Schüsse ausgewertet. Immerhin – ein paar der Projektile haben die Tafel, einige wenige den schwarzen Kreis getroffen. Für einen gelernten Zivildiener ganz o. k. Und trotzdem: Es bleibt der Respekt vor der Waffe und der Wunsch, selbst damit im Alltag nichts zu tun zu haben.

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In 25 Metern Entfernung erscheint die Zielscheibe beim Blick auf Kimme und Korn als kleiner, verschwommener schwarzer Kreis.
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Beim Journalistentag präsentierte die Tiroler Polizei gestern ihre Ausrüstung und gab Einblicke in ihre tägliche Arbeit.Fotos: Paumgartten
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