Letztes Update am Di, 05.06.2018 11:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Elf Täter in U-Haft: Polizei sprengt Kokain-Ring in Innsbruck

Eine Gruppe von Marokkanern hatte die Innsbrucker Drogenszene in den letzten Monaten mit hochwertigem Kokain überschwemmt. Jetzt haben Ermittler des Landeskriminalamtes die Gruppierung zerschlagen.

Die Polizei beschlagnahmte Bargeld aus Suchtgift-Erlösen.

© Landeskriminalamt TirolDie Polizei beschlagnahmte Bargeld aus Suchtgift-Erlösen.



Innsbruck – Die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) vom Tiroler Landeskriminalamt hat einen gewaltigen Schlag gegen die Drogenkriminalität verzeichnet: In den vergangenen Tagen und Wochen wurde ein ganzer Ring zerschlagen, der die Szene in Innsbruck mit hochwertigem Kokain regelrecht überschwemmt hatte. Wie die Polizei in einer Aussendung mitteilte, wurden führende Köpfe und Mittelsmänner in Innsbruck und Salzburg verhaftet. Es handelt sich durchwegs um Nordafrikaner.

Ihren Ausgang nahmen die Ermittlungen bereits im Dezember 2017: Beamte des Landeskriminalamtes stellten fest, dass in Innsbruck vermehrt Kokain von höchster Qualität im Straßenverkauf in Umlauf gebracht wurde. Zwei amtsbekannte Marokkaner, die zuvor auf Haschischverkauf spezialisiert gewesen waren, verkauften plötzlich vermehrt Kokain. Die Ermittler beobachteten die beiden Dealer genau, und erhöhten nach und nach den Kontrolldruck. Schließlich war klar: Hinter der Koks-Schwemme in der Tiroler Hauptstadt steckte offenbar eine gut organisierte Gruppe, die den Kokain-Verkauf nach Verhaftungen einer anderen Gruppe im Vorjahr federführend übernommen hatte.

Chefs überließen Straßenverkauf Unterhändlern

Wie das Landeskriminalamt herausfand, waren vor allem zwei führende Köpfe der Nordafrikaner-Szene für den Kokainverkauf verantwortlich. Dabei handelt es sich um zwei abgelehnte Asylwerber, die in ganz Österreich einschlägig tätig waren und dafür immer neue Personendaten erfunden hatten. Diese beiden „Köpfe“ waren für den Großeinkauf, den Schmuggel des Kokains vom Ausland nach Österreich und schließlich die Versorgung der Verkäufer verantwortlich. Die Verkäufer arbeiteten mit eigener Abrechnung und eigenem Geschäftsgebaren und sorgten so für die Verteilung des Kokains. Die beiden „Chefs“ dieser Gruppe überließen den Straßenverkauf den anderen. Sie selbst lebten als so genannte „U-Boote“ in Mietwohnungen in Innsbruck und Umgebung und fielen höchstens durch die Benutzung hochpreisiger Fahrzeuge auf, die ihren angeblichen ärmlichen Verhältnissen gegenüberstanden.

Auch auf der Folgeebene waren ausschließlich Marokkaner die handelnden Personen. Wie die Polizei mitteilt, lebten diese Dealer seit Jahren widerrechtlich in Österreich und fielen immer wieder durch Suchtgift-Verkauf auf. In letzter Instanz waren so genannte „Läufer“ für den Straßenhandel zuständig. Diese Läufer wurden von der mittleren Ebene beauftragt. Je nach verkaufter Drogen-Menge erhielten sie Provisionen.

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Drogennetz spannte sich bis nach Salzburg

Damit waren die Ermittlungen aber noch nicht am Ende: Weitere Erhebungen zur Herkunft der in Innsbruck verkauften Suchtmittel ergaben schließlich, dass die Beschuldigten das Kokain aus der Stadt Salzburg bezogen. In Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort konnte die Polizei schnell eine weitere Gruppe Marokkaner ausforschen, die ihre Landsmänner in Tirol mit dem weißen Pulver belieferte. Diese Marokkaner waren vor einiger Zeit von Innsbruck nach Salzburg übersiedelt – „vermutlich aus gewerblichen Beweggründen“, wie die Polizei mutmaßt. Auch bei diesen Männern handelte es sich ausschließlich um widerrechtlich in Österreich ansässige, bereits amtsbekannte Personen, die in Salzburg von verschiedenen Mietwohnungen aus den Suchtgift-Handel betrieben. Und der florierte ordentlich, wie die Polizeiermittlungen ergaben.

Die beiden führenden Köpfe aus Innsbruck waren mit der Salzburger Gruppe eng verbunden. Anders als in Innsbruck, wo der Verkauf auf verschiedenen Ebenen erfolgte, führten die Salzburger Beschuldigten ihre Geschäfte alle selbst. Der Ankauf im Ausland, der Schmuggel der Ware nach Österreich und der Weiterverkauf bis hin zum Straßenverkauf wurde von den Gruppenmitgliedern ausgeführt.

14 Festnahmen, elf Täter in U-Haft

Nach den umfangreichen Ermittlungen und der Sicherung von Beweisen ließen die Tiroler und Salzburger Ermittler im April und Mai die Handschellen klicken: Insgesamt wurden 14 Verdächtige festgenommen, elf davon befinden sich derzeit in U-Haft. Zwei Verhaftungen zu dem Fall gab es auch in Deutschland. Die Polizei geht von einer vollständigen Zerschlagung der Gruppe aus.

Sichergestellt wurden zwei Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 65.000 Euro, wovon eines mit Suchtmittel-Erlösen angekauft und das zweite nachweislich als Kurierfahrzeug genutzt worden war. Die Ermittler stellten außerdem Suchtgift im Wert von rund 110.000 Euro, Bargeld im Höhe von 40.000 Euro sowie 40 Mobiltelefone, fünf Tablets, einen Laptop, sieben Armbanduhren sowie einen Fotoapparat sicher.

Die Verdächtigen können sich auf ein gewaltiges Gerichtsverfahren einstellen: Ihnen wird der Verkauf von Kokain und Marihuana im Verkaufswert von mehreren hunderttausend Euro vorgeworfen. Mit dem erwirtschafteten Bargeld sollen zumindest drei Mercedes angeschafft worden sein, wovon zwei bereits nach Marokko überstellt wurden. Auch hohe Bargeldsummen aus Verkaufserlösen sollen nach Marokko überwiesen worden sein. Einigen der Beteiligten wird außerdem vorgeworfen, dass sie in Schubhaft oder zum Teil schon ins Ausland abgeschoben waren und wieder auf illegalem Weg nach Österreich zurückkehrten. Ein Hauptbeteiligter wurde im November 2017 sogar direkt mit dem Flugzeug nach Marokko abgeschoben. Ein Großteil der Beteiligten lebte unter unzähligen Aliasdatensätzen in Österreich und fast alle sind auch schon (einschlägig) verurteilt worden. Es gilt die Unschuldsvermutung. (TT.com)

Die Köpfe der Tiroler Kokain-Dealer brausten mit hochwertigen Mercedes-Fahrzeugen durch die Gegend.
Die Köpfe der Tiroler Kokain-Dealer brausten mit hochwertigen Mercedes-Fahrzeugen durch die Gegend.
- Landeskriminalamt Tirol