Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Justiz und Kriminalität

Facebook verweigerte Polizei Hilfe

Drei Afghanen und einem Armenier drohen wegen Drogenhandels 15 Jahre Haft. Im Prozess lautete die Anklage auf kriminelle Vereinigung.

© pixabaySymbolfoto.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Es benötigte letzten Sommer intensivste Ermittlungstätigkeit von Drogenfahndern, um einen unter afghanischer Führung stehenden Drogenring zu sprengen. Von Wien aus waren laut Anklage der Staatsanwaltschaft in Innsbruck Cannabis und Kokain erst über einen über etliche Läufer abgewickelten „Ameisenverkauf“ und später nur noch über größere Mengen bis zu 100 Gramm vertrieben worden.

Neben Parallelverfahren kam es dazu gegen drei Afghanen und einen Armenier – für sie gilt die Unschuldsvermutung – gestern am Landesgericht zum Prozess.

Drogen-Staatsanwalt Thomas Willam warf den vier teils Cannabishandel im Bereich von zehn Kilogramm sowie teils Kokainhandel vor. Dazu zeigten sich die Angeklagten teilweise auch geständig, erklärten aber, bei der Polizei viel zu hohe Mengen aus Angst oder Wut angegeben zu haben. Aufgrund der Drogenmengen und weil die Anklagebehörde in dem Netz eine kriminelle Vereinigung sieht, drohen den Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft. Zwei der Männer haben laut Anklage bereits eine „gemeinsame kriminelle Vergangenheit“. Über ihre Unterkünfte in Asylwerberheimen sollen die Angeklagten in Kontakt gestanden sein.

Vertrauliche Hinweise brachten die Drogenfahnder auf die Gruppe, nachdem bereits im Jahr 2015 ein afghanischer Suchtgiftring in Innsbruck zerschlagen worden war. Bei ihrer Kommunikation hatten die Verdächtigen extreme Vorsicht walten lassen. Wenn telefoniert worden war, dann nur verschlüsselt. Facebook verweigerte den Behörden wiederum „aus Unwillen“, den Schriftverkehr der Verdächtigen preiszugeben. Wegen Zeugen wurde auf September vertagt – nach einem lässt Ankläger Willam aber ohnehin schon fahnden.




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