Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Tirol

Imster Jugendliche: Keine große Gang, nur Dealer

Sechs junge Imster wurden gestern vom Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung freigesprochen.

© TT/Thomas BöhmLandesgericht Innsbruck.



Innsbruck – Die Anspannung war den sechs Burschen, alle zwischen 17 und 19 Jahre alt, anzumerken – verstohlene Blicke auf den Boden, nervöses Spielen mit den Händen, Wortmeldungen meist mit gedämpfter Stimme. Kein Wunder, wogen die Vorwürfe doch schwer, wegen derer sie sich gestern vor Gericht verantworten mussten. Zwischen Herbst 2016 und November 2017 sollen sie eine kriminelle Vereinigung gebildet und in Imst und Umgebung Drogen im großen Stil verkauft haben.

Die Anklage stützte sich auf zahlreiche Zeugenaussagen, auch von den Beschuldigten selbst. Sie sollen gemeinsam verkauft, voneinander gekauft und einander Kunden vermittelt haben. Umfangreiche Ermittlungen wurden durchgeführt, Drogen, Bargeld und technische Geräte beschlagnahmt. Vor Prozess­auftakt schien also alles klar. Gestern aber relativierte sich dann vieles.

Hatte einer der Angeklagten etwa vor der Polizei davon gesprochen, dass er als „Läufer“ gearbeitet habe, wollte er gestern nichts mehr davon wissen. „Einmal habe ich auf Kommission von einem Kollegen gekauft, weil ich selber nichts mehr hatte. Bei einem Mal kann man doch nicht von Läufer sprechen“, beteuerte er. Auch ein wichtiger Zeuge der Staatsanwaltschaft – befragt wurde während des Prozesses mehr als ein halbes Dutzend – änderte gestern seine Meinung. Anfangs hatte er behauptet, nicht nur Cannabis gekauft zu haben, sondern auch Ecstasy, Kokain und Amphetamine. Außerdem sei er sich sicher gewesen, dass die jungen Männer – davon zwei österreichische, zwei russische, ein kenianischer und ein türkischer Staatsbürger – sich zusammengeschlossen haben. Beides falsch, wie er gestern vor Gericht ausführten. Bei der Aussage habe er gelogen: „Um mich selbst zu schützen und den sechs eins auszuwischen, weil mich einer von ihnen abgezogen hat.“

Der Schöffensenat und die Richter ließen auch deshalb den Tatbestand der Gründung einer kriminellen Vereinigung fallen. Wegen Handels mit bzw. Besitzes von Suchtgift wurden jedoch mehrere Geld- sowie Haftstrafen von bis zu einem Jahr verhängt. Vier der sechs Urteile sind rechtskräftig, bei zweien wird die Anwendung weiterer Rechtsmittel noch geprüft. (bfk)




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