Letztes Update am Di, 11.09.2018 11:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Landeck

Millionen-Schaden: Tiroler Polizei deckt Diamanten-Betrug auf

Ein 40-Jähriger, der in den vermeintlichen Diamanthandel rund 100.000 Euro investiert hatte, erstattete im November 2017 Anzeige bei der Polizei in Ischgl. Die Tiroler Polizei konnte schließlich einen Millionen-Betrug aufdecken.

© APA(Symbolfoto)



Ischgl – Jahrelang machte eine Betrüger-Gruppe mit minderwertigem Diamanten-Verkauf den großen Reibach. Bis ein Tiroler sich um knapp 100.000 Euro betrogen fühlte und die Polizei einschaltete. Diese legte den Anlagebetrügern schließlich das Handwerk.

Den Stein brachte ein 40-jähriger Mann aus dem Bezirk Landeck im November 2017 ins Rollen: Er hatte seit dem Jahr 2011 bei der angeblichen Diamantenfirma einen niedrigen sechsstelligen Betrag investiert. „Er hat bei der Firma Diamanten gekauft und diese auch erhalten. Die waren aber anscheinend nicht das wert, was angegeben war“, erklärt Polizeisprecher Stefan Eder. Im Vorjahr wollte der Tiroler dann seine Geschäfte mit dem angeblich seriösen Unternehmen beenden, weil er ein ungutes Gefühl hatte. Dieses Gefühl sollte ihn nicht täuschen: Tatsächlich stellte sich wenig später heraus, dass er Betrügern aufgesessen war, denn die Diamanthändler erfanden laut Polizei einen Interessenten, der dem Landecker seinen Diamant-Vorrat wieder abkaufen wollte.

Trotz des schlechten Bauchgefühls ging der Oberländer auf den Deal ein und übergab seine Diamanten einem Boten. Er merkte sich allerdings das Autokennzeichen dieses Boten und erstattete anschließend Anzeige bei der Polizei.

1,5 Millionen Euro Schaden

Was dann folgte, waren umfangreiche und aufwändige Ermittlungen der Tiroler Polizei, die einen großangelegten Anlagebetrug aufdeckte. Über das Kennzeichen des Autos kamen die Beamten den Betrügern auf die Spur. Laut Exekutive war das Netzwerk seit Jahren aktiv und dürfte dabei Dutzende Österreicher um ihr Geld gebracht haben. Insgesamt soll 46 Anlegern bundesweit ein Schaden von 1,5 Millionen Euro entstanden sein.

Gegründet wurde die Firma den Ermittlern zufolge von einem 32-jährigen Österreicher im Großraum Wien, der mit drei Landsmännern, einem türkischen Staatsbürger und einem Deutschen das Diamant-Netzwerk betrieb – und zwar offenbar von Anfang an mit dem Ziel, Anleger im großen Stil übers Ohr zu hauen. „Man hat den Personen angeboten, dass man mit Diamanten handeln könnte. Anfangs mit kleineren Diamanten, später dann größere. Gelockt wurden die Leute offenbar mit langfristigen Gewinnen“, erklärt Eder. Das würde auch erklären, warum der Betrug der angeblichen Firma so lange unentdeckt blieb.

Die Ermittlungen der Exekutive sind soweit abgeschlossen, die mutmaßlichen Abzocker wurden der Staatsanwaltschaft Innsbruck angezeigt. Warum die Männer auf freiem Fuß bleiben, konnte Eder nicht beantworten. Es gilt die Unschuldsvermutung. (TT.com)