Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.10.2018


Exklusiv

Zuschauerin getroffen: Tiroler Polizei ermittelt gegen WM-Radlerin

Das Damenrennen der Rad-WM in Innsbruck hat nun ein skurriles Nachspiel. Auslöser ist eine Trinkflasche, eine Zuschauerin wurde verletzt.

© OtterDer Damen-Tross beim Start in Kufstein. Knapp vier Stunden später sorgte eine weggeworfene Trinkflasche für eine verletzte Zuschauerin und polizeiliche Ermittlungen.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Wer hat – wenn auch unabsichtlich – eine Zuschauerin der Rad-Weltmeisterschaft in Innsbruck mit einer Trinkflasche beworfen? Diese Frage sorgt jetzt für ein skurriles Nachspiel des sportlichen Großereignisses. Einerseits für die Polizei, die Ermittlungen einleiten musste. Andererseits für die „Täterin“, die mittlerweile ausgeforscht werden konnte. Die Sportlerin muss jetzt mit juristischen Konsequenzen rechnen – immerhin handelt es sich „um eine fahrlässige Körperverletzung“, sagt ein Beamter.

Der „Tatort“ des unabsichtlichen Gewaltdelikts war der Rennweg. Als das Feld der Rennfahrerinnen beim Damen-­Eliterennen am 29. September knapp vier Stunden nach dem Start in Kufstein Innsbruck erreichte, warteten bereits Tausende Zuschauer zwischen Hofburg und Landestheater. Darunter auch eine Einheimische, die sich das Spektakel nicht entgehen ließ. In der Nähe befand sich auch eine Labestation, bei der die Sportlerinnen mit vollen Trinkflaschen versorgt wurden. „Die leeren werden dann üblicherweise von den Athleten in flachem Winkel auf den Boden geworfen“, beschreibt Otto Flum, Präsident des Österreichischen Radsport-Verbandes, die Vorgehensweise. Zumindest eine Flasche hatte offenbar eine unüblich hohe Flugbahn. Und landete am Kinn der Tiroler Zuschauerin.

„Die Frau war dann bei uns im Büro“, erinnert sich Andreas Klingler, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft: „Sie schilderte uns den Vorfall und hatte auch eine deutlich sichtbare Schwellung im Kinnbereich.“ Die Büromitarbeiter konnten für die Frau wenig tun. „Wir haben sie an die Polizei verwiesen.“

Tatsächlich erstattete die verletzte Zuschauerin wenig später Anzeige bei der örtlich zuständigen Polizeiinspektion Saggen. Und löste damit aufwändige Ermittlungen aus. Denn zunächst war unklar, welche Sportlerin ihre Flasche in hohem Bogen entsorgt hatte. „Die Frau vermutete aber, dass es sich um eine Fahrerin des kanadischen Teams handelte“, so Klingler.

Die Vermutung erwies sich als richtig: Wie die Ermittlungen ergaben, ist eine Rennradlerin aus Kanada für die Schwellung am Kinn der Zuschauerin verantwortlich. Hilfreich bei der Ausforschung der „Übeltäterin“ waren offenbar die zahlreichen Fotos, Fernseh- und Videoaufnahmen von den Rennszenen am „Tatort“. Das „Tatwerkzeug“ blieb hingegen verschollen. „Die Trinkflasche konnten wir nicht sicherstellen“, so ein Polizist. Damit bleibt offen, ob der Behälter leer oder vielleicht noch halbvoll war. Aber auch eine leere Flasche kann zu einem Geschoss werden, „immerhin sind die Sportlerinnen teils mit 40, 50, 60 km/h unterwegs, wenn sie die Flaschen wegwerfen“, sagt Klingler.




Schlagworte