Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.11.2018


Exklusiv

Nach Brandserie: Kundl schickt Security auf die Straße

Nach der unheimlichen Brandserie der vergangenen Wochen geht in Kundl die Angst um. Die Gemeinde

beschäftigt jetzt einen Sicherheitsdienst, die Bürger reagieren mit Kameras und Bewegungsmeldern.

Ein Brandermittler am 20. November inmitten des Löschschaums bei der Arbeit, nachdem das Carport mit drei Autos in Kundl brannte.

© Thomas Boehm / TTEin Brandermittler am 20. November inmitten des Löschschaums bei der Arbeit, nachdem das Carport mit drei Autos in Kundl brannte.



Von Wolfgang Otter

und Florian Haun

Kundl – Die Situation ist angespannt. Da und dort beginnen die ersten Kundler, Videokameras und Bewegungsmelder an ihrem Haus zu installieren, andere gelagertes Brennholz vor dem Gebäude zu verräumen. Im Ort blickt man nach wie vor mit Besorgnis auf die jüngste Brandserie. „Wir sind jeden Tag froh, wenn die Sirene nicht ertönt“, meinen zwei ältere Damen, die wie viele andere Bewohner der Marktgemeinde, mit denen man über die Geschehnisse spricht, nicht namentlich genannt werden wollen.

Dabei werden in der Marktgemeinde schlimme Erinnerungen wachgerufen: Eine ähnliche Situation gab es bereits vor sechs Jahren. Der Brandstifter schlug mehrmals zu, bevor die unheimliche Serie abriss. Dabei waren damals wie auch bei den jüngsten Vorfällen Menschen in Gefahr. Besonders, als vor etwas mehr als einer Woche ein Carport mit drei Autos in Flammen aufging. Die Feuerwehr konnte durch ihren raschen Einsatz Schlimmeres verhindern. Seither ist zwar nichts mehr geschehen. Doch die Angst und Sorge in der Bevölkerung reißt nicht ab.

Die Polizei ermittelt intensiv, und wie von Bürgermeister Anton Hoflacher zu erfahren ist, haben die Beamten ihre Streifentätigkeit im Ort verstärkt. Trotzdem wurde in der Gemeinde der Ruf nach einer Art Bürgerwehr bzw. Nachtwächtern laut, die den Ort im Auge behalten. Dass es mehr Wachsamkeit benötige, ist für viele Kundler klar: „Unter Nachbarn sollte man gegenseitig aufeinander mehr aufpassen und jeder bei der kleinsten Kleinigkeit hellhörig werden. Es gehört auf jeden Fall mehr überwacht“, meint ein besorgter Kundler. Über private Sicherheitsdienste oder gar Selbsthilfe der Bewohner gehen die Meinungen aber auseinander: „Ich glaube, den Täter kann man nur über Zufall und Mithilfe der Bevölkerung finden. Von einer privaten Überwachung halte ich gar nichts, denn keiner weiß ja genau, wann und wo er wieder zuschlägt. Da kann es sein, dass beispielsweise drei Tage lang überwacht wird und nichts passiert und dann, wenn am vierten Tag nicht mehr kontrolliert wird, schlägt der Täter wieder zu“, meint hingegen Heinrich Fuchs, Alt-Bürgermeister und pensionierter Polizist.

Die Gemeindeführung wird auf alle Fälle jetzt Eigeninitiative ergreifen: Sie wird einen Securitydienst auf die Straße schicken. „Er wird jede Nacht das Gemeindegebiet kontrollieren“, sagt Bürgermeister Anton Hoflacher. Das Ganze geschehe natürlich eng mit der Polizei abgestimmt. Was der Gemeindechef auf keinen Fall möchte: „Dass irgendwelche Privatpersonen Streife gehen.“ Es müsse sich um geschulte Personen handeln, die diese Überwachung vornehmen.

Auch für Hoflacher ist die Situation derzeit beklemmend: „Wenn die Sirene am Samstagmittag erklingt, ist das plötzlich ein ganz anderes Gefühl“, schildert er.




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