Letztes Update am So, 09.12.2018 15:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niederösterreich

Totes Baby in Gebüsch: Mutter auf freien Fuß gesetzt

Den Angaben der Frau zufolge habe sie keine Lebenszeichen bei dem Säugling wahrgenommen. Das Landesgericht sah keine Haftgründe vorliegen, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordverdachts.

© APA/PFARRHOFERBeamte suchen das Gelände in der Nähe des Fundortes ab.



Weikendorf, Korneuburg – Nach dem Fund eines toten Babys in Weikendorf (Bezirk Gänserndorf) am Donnerstag ist die Mutter am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hatte die U-Haft beantragt. Der Richter sah jedoch keine Haftgründe vorliegen, bestätigten Staatsanwalt Friedrich Köhl und der Rechtsanwalt der 18-Jährigen, Wolfgang Blaschitz, auf Anfrage von Online-Medien.

Gegen die junge Frau wird wegen Mordverdachts ermittelt. Für Verbrechen, die mit einer mindestens zehnjährigen Freiheitsstrafe bedroht sind, ist zwar eine bedingt obligatorische Untersuchungshaft vorgesehen. Da es sich bei der 18-Jährigen um eine junge Erwachsene handelt, gelten jedoch andere Bestimmungen.

18-Jährige habe nichts von Schwangerschaft gewusst

Die junge Frau gab an, nichts von der Schwangerschaft gewusst zu haben. Sie habe keine Lebenszeichen bei dem Säugling wahrgenommen und keine lebenserhaltenden Maßnahmen gesetzt. Die junge Frau wurde am Sonntag enthaftet. Ihr Vater und ihr Freund holten sie von der Justizanstalt ab, so Blaschitz.

Der Rechtsanwalt rechnet damit, dass es im Fall einer Anklage um Paragraf 79 Strafgesetzbuch (Tötung eines Kindes bei der Geburt) gehen werde. In diesem Fall beträgt der Strafrahmen bis zu fünf Jahre, für junge Erwachsene bis zu zweieinhalb Jahre. Außerdem sah Blaschitz Anhaltspunkte, wonach die junge Frau wegen der Geburt nicht zurechnungsfähig gewesen sei und das Ermittlungsverfahren deshalb nach einem entsprechenden Gutachten eingestellt werden könnte.

Baby wäre laut Obduktion lebensfähig gewesen

Die 18-Jährige habe nichts von der Schwangerschaft mitbekommen und das Baby am 7. November im Elternhaus zur Welt gebracht, berichtete Blaschitz nach der zweistündigen Einvernahme der jungen Frau am Sonntag. Auch ihre Eltern und ihr Freund soll nichts davon mitbekommen haben. Ihrem Umfeld soll aufgefallen sein, dass sie zugenommen habe. Die Schulabbrecherin sei mit der Situation bei der Geburt „völlig überfordert“ gewesen, sagte der Rechtsanwalt. Die 18-Jährige hatte laut ihren Angaben keine Lebenszeichen bei dem Säugling wahrgenommen. Danach habe sie das Kind vergraben.

Das tote Baby wurde vergangenen Donnerstag von einem Gemeindemitarbeiter in einem Gebüsch entdeckt. Dem Obduktionsergebnis zufolge wäre der männliche Säugling lebensfähig gewesen. (APA)