Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.12.2018


Gerichtssplitter

Sennenhund biss Terrier tot: Freispruch für Herrl

Einem Osttiroler wurde gestern am Landesgericht etwas besonders Perfides vorgeworfen. Sprachen doch Zeugen davon, dass der 65-Jährige in einem Park absichtlich seinen Berner Sennenhund auf einen Yorkshire Terrier gehetzt haben sollte.

Amtsübergabe am BG Hall: OLG-Präs. Schröder (l.) mit Heike Höllwarth-Lang und Johann Arnold.

© OLGAmtsübergabe am BG Hall: OLG-Präs. Schröder (l.) mit Heike Höllwarth-Lang und Johann Arnold.



Mutmaßliche Fälle brutaler Tierquälerei erregen seit jeher die Gemüter. Der Gesetzgeber reagierte und bedroht das Delikt mittlerweile mit bis zu zwei Jahren Haft. Einem Osttiroler wurde gestern am Landesgericht etwas besonders Perfides vorgeworfen. Sprachen doch Zeugen davon, dass der 65-Jährige in einem Park absichtlich seinen Berner Sennenhund auf einen Yorkshire Terrier gehetzt haben sollte. Der kleine Hund war nach dem Angriff verendet. Hintergrund für die Eskalation war ein Streit um die Leinenpflicht zwischen den beiden Hundehaltern. So hatte der Angeklagte auf das Anleinen des Terriers bestanden, was von dessen Herrl mit Häme quittiert worden war. Darauf soll der Satz: „Jetzt bring' ich deinen Hund um!" gefallen sein. Eine Zeugin: „Er ließ dann Leine und der Berner Sennenhund schnappte sich den Terrier. Ich habe nicht bemerkt, dass das Herrl versucht hätte, dieses halbe Kalb wegzuziehen." Am Ende soll der Halter des Sennenhundes dann noch gesagt haben: „Das passiert dann, wenn der Hund nicht angeleint ist!" Verteidiger Martin Harthaller bestritt für seinen Mandanten jegliche Tötungsabsicht. Auch plädierte er, dass es für die Anklage eigentlich keinerlei verlässliche Aussagen geben würde. Dazu habe auch niemand ein Bisskommando vernommen. RA Harthaller: „Da kann man höchstens von Fahrlässigkeit sprechen." Auch Richterin Helga Moser sah es so und fällte einen Freispruch.

Dafür katapultierte sich eine gestohlene Flasche Sekt (7,99 €) in die allerhöchste Champagnerliga: 480 Euro betrug die Strafe für versuchten Diebstahl.

Ein Generationswechsel wurde mit Dezember am Bezirksgericht Hall vollzogen. Hofrat Johann Arnold, langjähriger Vorsteher des schönen Bezirksgerichts in der Haller Altstadt, trat in den Ruhestand. Klaus Schröder, Präsident des Oberlandesgerichts (OLG), übergab darauf die Hausschlüssel an Heike Höllwarth-Lang, die vormalige Vorsteherin des Bezirksgerichts Zell am Ziller. Bei einer Feierlichkeit zur Zepter-Übergabe überreichte Präsident Schröder der ersten weiblichen Gerichtsvorsteherin in Hall das Ernennungsdekret. Dabei hob der OLG-Präsident hervor, dass Höllwarth-Lang schon das Bezirksgericht in Zell über 12 Jahre mit großer Professionalität geführt hatte. Dazu stehe die neue Vorsteherin für Organisationstalent bzw. Sozialkompetenz. (fell)