Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.12.2018


Anschlag auf Weihnachtsmarkt

Schüsse in Straßburg: Tirolerinnen saßen Stunden im Dunkeln

SP-Frauen aus Tirol mussten sich in Straßburgs Innenstadt in einem Lokal verschanzen, bis die Polizei sie zu ihrem Reisebus begleitete.

Bis 2 Uhr nachts durfte niemand das Europa-Parlament verlassen. Die Abgeordneten nahmen es hin und arbeiteten großteils weiter.

© AFP/PigmanBis 2 Uhr nachts durfte niemand das Europa-Parlament verlassen. Die Abgeordneten nahmen es hin und arbeiteten großteils weiter.



Von Gabriele Starck

Straßburg – Sechs Stunden ohne Licht in einem Gasthaus eingeschlossen, sechs Stunden der Ungewissheit, was da draußen, auf den Straßen der Straßburger Innenstadt, vor sich geht. Das Erlebte haben die Tiroler SPÖ-Frauen noch nicht ganz verdaut, als sie gestern Mittag bereits im Bus Richtung Heimat unterwegs sind. „Es war bedrückend“, erzählt Landesfrauengeschäftsführerin Stefanie Hofer.

Die Gruppe hatte in dem Lokal zu Abend gegessen und wollte gerade aufbrechen, als es hieß, keiner dürfe das Gebäude verlassen, weil draußen ein Attentäter herumlaufe. „Alle Lichter wurden ausgemacht, damit der Schütze nicht hereinschauen und uns ins Visier nehmen kann“, erzählt eine hörbar erschöpfte Landesfrauengeschäftsführerin am Handy der TT.

Immer wieder hören die Frauen in den kommenden Stunden Schreie von der Straße. Es sind die Einsatzkräfte, welche all jene, die es wagen, ihre Nase aus der Tür zu strecken, anbrüllen, zurück in ihre Häuser zu gehen. Dennoch ist der Schütze flüchtig. Niemand weiß, wo er sich verschanzt, wo er jederzeit wieder zuschlagen könnte. Deshalb seien sie eigentlich froh gewesen, im 1. Stock des Gasthauses sitzen zu können. „Das hat uns ein bissl ein Gefühl der Sicherheit gegeben“, erklärt Hofer.

Sechs Stunden dauert es, dann darf der Wirt die insgesamt rund 80 Gäste gehen lassen. „Wir wurden zu unserem Reisebus begleitet, überall war Militär und Polizei“, schildert Hofer. Der Fahrer und drei Gruppenmitglieder, die schon vorausgegangen waren, hatten die ganze Zeit im Bus gewartet und gebangt.

„Das ist etwas, an das man sich nie gewöhnen wird.“
Karoline Graswander-Heinz 
(EU-Abgeordnete, SPÖ)
„Das ist etwas, an das man sich nie gewöhnen wird.“ Karoline Graswander-Heinz 
(EU-Abgeordnete, SPÖ)
- Paschinger

In Sorge war zu dieser Zeit auch die Tiroler EU-Abgeordnete Karoline Graswander-Heinz. Sie hatte die SPÖ-Frauen nach Straßburg eingeladen, um das Parlament und den berühmten Weihnachtsmarkt zu besuchen. Die Abgeordnete saß in einer Fraktionssitzung im Parlament, als die Nachricht von der Schießerei kam. „Das ist etwas, an das man sich nie gewöhnen wird. Obwohl man weiß, dass man im Parlament eigentlich am sichersten Platz überhaupt ist.“

Das Gebäude war sofort abgeriegelt worden. Niemand durfte es verlassen. „Natürlich ist die Stimmung da angespannt.“ Doch letztlich sei der Betrieb weitergelaufen, „die Plenarsitzung war ja auch bis Mitternacht“ angesetzt, sagt die Oberländerin: „Wir lassen uns keine Angst machen.“ Deshalb lautete auch gestern Dienstagnacht die Devise im EU-Parlament: weiterarbeiten.