Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.12.2018


Exklusiv

Mordanklage gegen 74-Jährigen nach Leichenfund in Fritzens

Nach der Tötung eines 75-Jährigen sieht sein Bekannter einem Mordprozess entgegen. Eine Testamentsänderung des Opfers könnte Tatmotiv sein.

Spurensicherung am Fundort der Leiche.

© www.zeitungsfoto.atSpurensicherung am Fundort der Leiche.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Fritzens – Der Leichenfund in Fritzens, nur 320 Meter vom dortigen Fußballplatz entfernt, wurde nun nach siebenmonatigen Ermittlungen zur Anklage mit justizchronikalem Superlativ. So wurde in der mysteriösen Causa nun von der Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen einen 74-Jährigen erhoben.

Vieles rund um den Fall scheint in der Vergangenheit zu liegen. So handelt es sich bei dem – einen Mordvorsatz bestreitenden – Angeklagten um einen langjährigen Bekannten des Opfers Elmar Rösch. Dieser wäre im März 78 Jahre alt geworden und hatte den nun angeklagten 74-Jährigen in den 90er-Jahren erst in der Justizanstalt Innsbruck kennen gelernt und weiter in die Justizanstalt Suben „begleitet“. Das gemeinsame Schicksal hatte die zwei Innsbrucker zusammengeschweißt. Nach jahrelangem Kontakt hatte Rösch den Angeklagten sogar in einer seiner Wohnungen leben lassen und diese ihm 2015 zusammen mit 60.000 Euro vererbt.

Das großzügige Vermächtnis war jedoch nur von kurzer Dauer. So änderte das Opfer sein Testament noch zweimal. Zum Schluss war der Angeklagte nicht mehr als Erbe aufgeschienen. Das war im Jänner 2016. Ein weitschichtiger Verwandter hatte dann im Juli das Verschwinden von Rösch bei der Polizei angezeigt.

Nach dem Leichenfund im April für die Polizei erst ein mysteriöser Fall. Gab es doch keinerlei Hinweise auf die stark verweste Leiche, die bereits vor Jahren in Nylonsäcke verpackt am Fritzener Innufer abgelegt worden war. Erst ein DNA-Abgleich mit dem Vermissten brachte Klarheit. Der Fund von Testamentkopien ließ hingegen den Angeklagten in den Kreis der Verdächtigen geraten.

Der 74-Jährige lieferte zum Vorfall im Laufe seiner Einvernahmen nun schon mehrere Versionen. Zuletzt hatte der Bekannte des Getöteten jedoch zugestanden, dass er auf den damals 75-Jährigen doch mit einem Hammer eingeschlagen habe. In seiner Verantwortung führt der 74-Jährige in die mutmaßliche Lebenswelt des Opfers, wonach dieser trotz seines Alters noch immer in Drogengeschäfte verwickelt gewesen wäre. Um die Mitwirkung an diesen sei es dann laut Angeklagtem im Garten eines Lokals in Wattens zum Streit gekommen, bei dem er vom Opfer gewürgt worden sei. In Notwehr habe er mit dem Hammer zugeschlagen.

Eine Version, die die Staatsanwaltschaft widerlegt sieht. So sei nach dem Verletzungsmuster von mindestens sechs Schlägen auszugehen. Durch den enormen Blutverlust sei zudem von einem anderen Tatort auszugehen. Zuletzt sei das Opfer nicht von einem Hammer getötet worden. Ganz anders Verteidiger Markus Abwerzger gegenüber der TT: „Es war zu erwarten, dass die Staatsanwaltschaft nicht von einer Notwehrsituation ausgeht. Ich sehe das jedoch anders, jetzt sind dann die Geschworenen am Wort.“ Strafverteidiger Abwerzger ortet Ermittlungslücken: „Die Ermittlungsbehörden sind leider nicht allen Hinweisen nachgegangen, insbesondere nicht klaren Hinweisen in Bezug auf die dunkle Vergangenheit des Verstorbenen.“