Letztes Update am Do, 27.12.2018 13:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

23-Jährige in Innsbruck getötet: Obduktion abgeschlossen

Nach der Bluttat am Stefanitag in Innsbruck hat sich der 37-jährige Verdächtige geständig gezeigt, seine 23-jährige Frau umgebracht zu haben. Nach der Tat fordert die FPÖ mehr Sicherheitspersonal in Flüchtlingsheimen, die Grünen lehnen ab. Die Obduktion des Opfers wurde mittlerweile abgeschlossen.

Im Asylwerberheim in der Innsbrucker Reichenau geschah die Bluttat.

© zeitungsfoto.atIm Asylwerberheim in der Innsbrucker Reichenau geschah die Bluttat.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Eine Gruppe Somalier steht am Mittwoch am frühen Nachmittag auf dem Hof des Asylwerberheims in der Innsbrucker Reichenau. Dahinter spielen Kinder – die einen Fußball, die anderen drehen mit dem Rad ihre Runden.

Nichts deutet auf die Gewalttat, die im ersten Gebäudekomplex in der Trientlgasse passiert ist, hin. Ein Security-Mann steht am Eingang hinter dem Eisentor, Einlass darf er der TT keinen gewähren, auch keine Auskünfte. „Wir haben nichts mitbekommen. Wir haben schon geschlafen“, erzählt eine junge Frau aus Afghanistan außerhalb des Heimkomplexes auf der Straße. Sie ist seit drei Jahren in Tirol und spricht sehr gut Deutsch. Ein Bekannter habe den Streit zwischen dem syrischen Ehepaar gehört, aber nichts von dem Geschrei auf Arabisch verstanden. „Wir schlafen dort hinten“, sagt die Afghanin und deutet zum zweiten Gebäudekomplex in der Trientlgasse, der vom Schauplatz doch einige Meter entfernt ist.

Die meisten der knapp 100 Bewohner erfahren trotz Polizei-Aufgebots mitten in der Nacht erst am nächsten Morgen, was passiert ist. Dass der 37-jährige Syrer seine 23-jährige Frau erschlagen haben soll, macht jetzt erst im Hof die Runde. Das Paar sei abends noch beisammengesessen. „Ganz normal“, erzählt eine Frau. Von Spannungen oder Eifersüchteleien sei nichts zu bemerken gewesen.

Soziallandesrätin Gabi Fischer: „In jeder fünften Familie passiert Gewalt. Ich möchte das nicht auf Flüchtlinge reduzieren.“
Soziallandesrätin Gabi Fischer: „In jeder fünften Familie passiert Gewalt. Ich möchte das nicht auf Flüchtlinge reduzieren.“
- EXPA Pictures

„Die beiden Kinder des Paares sind noch sehr klein“, sagt ein Mann. „Zum Glück haben sie geschlafen.“ Noch in der Nacht seien die Kinder von den Beamten weggebracht worden. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater gestand am Mittwoch die Bluttat. Ein Zeuge hat den 37-jährigen Syrer schwer belastet. Laut Polizei sind die Kinder, ein Bub und ein Mädchen, vier und sechs Jahre alt und jetzt in der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe.

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Die Asylwerber in der Reichenau haben am Mittwoch noch keinen Sozialarbeiter oder die Heimleitung gesehen, erzählen sie. Nachts seien für den großen Gebäudekomplex ein Security-Mann und ein Springer zuständig, ein zweiter Security-Mann sei für ein zweites Heim in der Nachbarschaft eingeteilt. Das Heim betreibt die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) im Auftrag des Landes, für die Sicherheit sorgt die TSD selbst.

Bestätigen kann den Personaleinsatz am Mittwoch niemand. In der TSD hat sich nach turbulenten und höchst umstrittenen Monaten Noch-Geschäftsführer Harald Bachmeier aus Tirol verabschiedet. Er ist am Mittwoch nicht erreichbar. Sein interimistischer Nachfolger, Prokurist Florian Stolz, ist auch nicht auffindbar. Die TSD-Pressestelle, seit ein paar Wochen verwaist, wurde noch nicht nachbesetzt.

Politisch für die TSD verantwortlich ist Soziallandesrätin Gabi Fischer von den Grünen. Sie sieht keinen Handlungsbedarf, die Sicherheitsvorkehrungen in den Asylwerberheimen zu verschärfen. „In jeder fünften Familie passiert Gewalt. Ich möchte das nicht auf Flüchtlinge reduzieren. Gewalttaten passieren, egal wo der Täter wohnt, ob nun im O-Dorf oder im Asylwerberheim.“ Gerade um Weihnachten würden österreichweit sehr viele Gewalttaten passieren. „Alle machen mich tief betroffen“, sagt Fischer. Handlungsbedarf sieht sie bei der Gewaltprävention. Diese gelte es zu verstärken, „um zu unterstützen und zu helfen“. Im Asylwerberheim in der Reichenau habe es keine Krisenintervention gegeben. Zu einem Einsatz von Psychologen befragt, meint Fischer: „Selbst dann kann man solche Gewalttaten nicht verhindern.“

FPÖ-Landtagsabgeordneter Patrick Haslwanter: „Es braucht mehr Sicherheitspersonal und mehr Kontrollen in den Asyleinrichtungen des Landes.“
FPÖ-Landtagsabgeordneter Patrick Haslwanter: „Es braucht mehr Sicherheitspersonal und mehr Kontrollen in den Asyleinrichtungen des Landes.“
- Thomas Boehm / TT

Die FPÖ sieht damit Fischer und die schwarz-grüne Landesregierung gefordert. „Es braucht strengere Sicherheitsvorkehrungen“, sagt FPÖ-Landtagsabgeordneter Patrick Haslwanter. „Es ist leider zu wenig, dass nur im Bezirk Innsbruck und nur in Unterkünften mit mehr als 150 Personen Taschenkontrollen bezüglich Waffen durchgeführt werden, da besteht massiver Nachholbedarf.“ Messer und andere Waffen hätten in Asylwerberheimen nichts verloren, meint Haslwanter.

Obduktion bestätigte Annahme

Am Donnerstag wurde die Obduktion des 23-jährigen Opfers abgeschlossen. Sie habe die Annahmen der Ermittler bestätigt, sagte Katja Tersch vom Landeskriminalamt. Körperliche Gewalt habe zum Tod der jungen Frau geführt, so Tersch: „Tatwaffe wurde keine verwendet.“

Die Einvernahme des 37-jährigen Ehemannes, der im Verdacht steht, die 23-Jährige in der Nacht auf Dienstag bei einem Streit massiv attackiert und ihr schwerste Kopfverletzungen zugefügt zu haben, sei mittlerweile abgeschlossen. „Neue Erkenntnisse haben sich daraus aber nicht ergeben“, sagte Tersch. Die Ermittler gingen nach wie vor von Eifersucht als Motiv aus. Auch die Aussagen eines Zeugen würden den 37-Jährigen schwer belasten.




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