Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Gerichtssplitter

Tasche mit fünf Kilo Cannabis machte Putzfrau im Unterland schwindlig

Ein geplanter Schmuggel über den Achenpass flog wegen des Cannabis-Geruchs auf. Die zwei eher atypischen Drogenschmuggler kamen mit einer milden Strafe davon.

In einer Achenkircher Pension fanden sich in der Sporttasche eines Bayern fünf Kilo Cannabis.

© APAIn einer Achenkircher Pension fanden sich in der Sporttasche eines Bayern fünf Kilo Cannabis.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Schmuggel von fünf Kilogramm Cannabis. Da schrammten gestern am Landesgericht zwei Bayern aufgrund des relativ niedrigen THC-Gehalts des Krauts nur haarscharf an einer Drogenanklage vor einem Schöffengericht vorbei. So viel Glück wie vor Gericht hatte das Duo im September nicht gehabt. Damals wollte der 22-jährige Erst­angeklagte seine Cannabis-Sucht als Drogenschmuggler finanzieren. Dafür war der 22-Jährige aus dem Raum Bad Tölz als Kurier ins grenznahe Achenkirch gereist, um dort eine aus Slowenien stammende Sporttasche mitsamt Cannabis zu übernehmen. Schon die Übergabe verlief holprig. War doch eine Anrainerin auf das wartende Auto aufmerksam geworden und hatte die Polizei gerufen. Als die Sporttasche doch noch an das Bayern-Duo gegangen war, wurde das wertvolle Stück erst einmal im Zimmer einer Pension untergebracht. Als dort später eine Reinigungskraft nach dem Rechten sehen wollte, hob es diese fast aus den Sandalen. Hatte sich der Geruch von fünf Kilo Cannabis in dem kleinen Pensionszimmer doch schon relativ intensiv verbreitet. Als die Bayern dann in die Pension zurückkehrten und die Zimmertüre aufsperrten, hatte es sich darin schon eine Cobra-Einheit gemütlich gemacht. Für den Erstangeklagten machte Verteidiger Markus Abwerzger dessen massive Drogensucht als Motiv geltend. 100 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum seien der Lohn für die Kurierdienste gewesen. Trotz seiner Inhaftierung in Tirol wartet in Bayern auf den 22-Jährigen noch heute einer der raren Therapieplätze. So ergingen statt möglichen fünf Jahren Haft 15 Monate – zehn Monate bedingt. „Für Sie öffnen sich heute die Gefängnistore!“, eröffnete darauf Richterin Verena Offer. Der Zweitangeklagte, an sich Augenoptiker und Fitnesstrainer, durfte zur Hälfte bedingte 2400 Euro Geldstrafe als Warnsignal werten. Er hatte zwar vom Schmuggel gewusst, im Zweifel aber nicht von der tatsächlichen Menge in der Sporttasche.