Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.01.2019


Innsbruck

Millionenanklage wegen Betrugs mit Invalidität

Ein 51-jähriger Tiroler musste sich vor Gericht verantworten, weil er die Versicherung nach einer Handverletzung betrogen haben soll. Es gilt die Unschuldsvermutung

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Zu viel der Zufälle witterten bei einem 2013 verunfallten Tiroler diverse Versicherungen und letztlich die Staatsanwaltschaft. Der heute 51-Jährige hatte sich bei einem Radunfall einen Trümmerbruch des rechten Daumengelenks zugezogen. Einen Monat nach Stift- und Gipsentfernung war der Tiroler jedoch wieder vorstellig geworden, dass er an der Hand rund um die Bruchstelle unerträgliche Schmerzen verspüre und die Hand nicht mehr benutzen könne. Bei Folgeuntersuchungen reagierte der Patient dann selbst auf Berührungen mit heftigsten und lautstarken Schmerzensbekundungen.

Die Ärzte diagnostizierten darauf CRPS – den so genannten „Morbus Sudeck“, eine (äußert selten) in Zusammenhang mit Brüchen auftretende Erkrankung. Über die noch relativ unerforschte Erkrankung kommt es mutmaßlich zur Veränderung der schmerzverarbeitenden Nerven. Was für ein Glück für den Tiroler, dass er zuvor drei Unfallversicherungen abgeschlossen hatte. Richtig skeptisch wurden die Versicherer aber erst, als die Schwiegertochter des gestern am Landesgericht wegen schweren Betruges Angeklagten – es gilt die Unschuldsvermutung – nach einem Sportunfall für exakt dieselbe Krankheit Versicherungsleistungen begehrte.

Staatsanwältin Gertraud Pfeifenberger errechnete quer über alle Versicherungen und Kassen einen angepeilten Invaliditäts-Betrugsschaden von 1,83 Millionen Euro, wobei es bei 1,6 Millionen bislang beim Versuch geblieben wäre. Die Ergebnisse einer Detektei waren für die Anklägerin ein weiterer Beleg. So nahm der Mann Fahrstunden – und schaltete mit der rechten Hand. Einen Unfallbericht hatte er laut Pfeifenberger auch mit der rechten Hand ausgefüllt. Der Angeklagte blieb im Prozess aber bei einer völlig unbrauchbaren Hand. Verteidiger Dominik Kellerer: „Schmerz und Liebe sind Gefühle – niemand kann sie messen.“ Für weitere Zeugen wurde vertagt.