Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Justiz und Kriminalität

Randaliererin halbnackt aus Wohnung verbracht: Prozess in Innsbruck

Fall am Landesgericht zeigte Herausforderung für Polizei, in Ausnahmesituationen angemessen zu handeln.

Im August wurde eine Polizeistreife zu einem heiklen Einsatz gerufen. Die Auslöserin wurde verurteilt, gegen die Beamten wird nun ermittelt.

© TT / Thomas BöhmIm August wurde eine Polizeistreife zu einem heiklen Einsatz gerufen. Die Auslöserin wurde verurteilt, gegen die Beamten wird nun ermittelt.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – In einer Augustnacht musste eine Unterländer Polizeistreife zu einem Wohnhaus ausrücken. Dort stand blutverschmiert und mit tiefen Kratzern der Lebensgefährte einer Mieterin. Diese sei „total ausgeflippt“, ließ der Mann wissen und sperrte der Polizei die Wohnung auf. Dort saß die Frau auf dem Sofa und beschimpfte die Beamten (ein 53-Jähriger und seine junge Kollegin) auf das Übelste. Nichts hätten sie in der Wohnung verloren, in der sich vorher über Stunden eine von intensivem Alkoholkonsum geprägte Liebesnacht ereignet hatte. Zum Protest „räumte“ die Frau vor den Beamten den Wohnzimmertisch ab, obwohl der Boden ohnehin bereits mit Scherben übersät war.

Dazu zog die ansonsten unbekleidete Frau immer wieder ihr dünnes Sommerkleid hoch und fragte, ob die Beamten, „denn auch schauen wollten“. Als die Frau dann noch von der Ermordung des Lebensgefährten sowie von Selbstmord sprach und demonstrativ über die Scherben lief, sprachen die Beamten die Verhaftung zur Verbringung in die Psychiatrie aus – und baten die Frau mehrfach, sich endlich etwas anzuziehen. Da die Unterländerin dem nicht nachgekommen war, wurde sie im Sommerkleid aus der Wohnung verbracht. Als sie vor der Türe so randalierte, dass sie sogar aus den Handschellen schlüpfte, war es für sie zu spät, um nun doch nach einer Unterhose zu fragen. Über dies und die Art der Verbringung wird nun ein Ermittlungsverfahren gegen die Polizisten geführt, das für die Frau aber zu einem weiteren Prozess wegen Verleumdung (hier bis fünf Jahre Haft) führen könnte. Während die Beamten nämlich gestern am Landesgericht bezeugten, dass sie die Tobende noch gerade aufrecht zum Parterre bringen hätten können, behauptete die gestern wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt Angeklagte, dass sie von den Beamten teils vollkommen entblößt über ein Stockwerk an den Beinen über die Stiegen geschleift worden wäre. Untersuchungen im Krankenhaus belegten darauf jedoch keine dazu passenden, frischen Verletzungen.

Da die Frau gerade erst verurteilt worden war, ergingen sechs Monate bedingte Haft und 440 Euro Geldstrafe als Zusatzstrafe. Die Dame nahm an und gelobte Abstinenz.