Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


Tirol

Sechs Überfälle in acht Tagen in Tirol, Götzner Räuber weiter flüchtig

Nach dem Raub in Götzens blieb die Alarmfahndung der Polizei trotz großen Aufwandes ohne Ergebnis. Der Täter dürfte zu Fuß nach Völs geflüchtet sein.

Trotz umfangreicher Fahndungsmaßnahmen konnte der Räuber von Götzens vorerst entkommen.

© APATrotz umfangreicher Fahndungsmaßnahmen konnte der Räuber von Götzens vorerst entkommen.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck, Götzens – Überfälle liegen zurzeit im Großraum Innsbruck offenbar im Trend. In nur acht Tagen wurden in der Landeshauptstadt zwei weibliche und zwei männliche Passanten sowie ein Taxifahrer Opfer von schweren Eigentumsdelikten. Den vorläufigen Schlusspunkt der Serie setzte ein Täter, der am späten Samstagnachmittag einen Supermarkt in Götzens überfiel. Drei der sechs Überfälle sind geklärt, der Räuber von Götzens ist allerdings noch auf freiem Fuß.

Und das trotz Großfahndung: „Wir haben fast die ganze Nacht nach dem Mann gesucht, hatten Hubschrauber, fünf Polizeihunde und auch Nachtsichtgeräte im Einsatz“, erzählt Gerhard Niederwieser, Polizei-Kommandant des Bezirks Innsbruck-Land: „Dennoch konnte der Täter entkommen.“

Niederwieser geht davon aus, dass der etwa 1,75 Meter große Mann zu Fuß über den Akademikersteig und das Nasse Tal nach Völs flüchtete. Dort wurde der Räuber im Bereich des Bauhofs von einer Zeugin zum letzten Mal gesehen. „Wir gehen zumindest davon aus, dass es der Täter war. Der Frau fiel ein Mann auf, der wie ein Jogger lief, aber nicht wie ein Jogger gekleidet war.“

Wie berichtet, hat der etwa 20 bis 40 Jahre alte Täter am Samstag kurz vor dem Kassaschluss um 18 Uhr einen Supermarkt überfallen. Zunächst gab sich der unmaskierte Räuber als Kunde aus. „Als er allein an der Kassa stand, zog er seine Pistole und forderte Geld von der Mitarbeiterin“, schildert Niederwieser. Sekunden später flüchtete der Mann mit einem niedrigen vierstelligen Geldbetrag. Eine weitere Verkäuferin nahm kurz die Verfolgung auf. So erfuhr auch die Polizei, dass der Täter zu Fuß unterwegs war.

Nach Aussagen der Opfer war der Räuber möglicherweise nicht zum ersten Mal in der Filiale: „Die Mitarbeiterinnen glauben, dass der Mann schon als Kunde das Geschäft aufgesucht hat“, so der Polizei-Bezirkskommandant.

Die Ermittler hoffen jetzt, den Täter durch Aufnahmen aus den nahen Überwachungskameras aufspüren zu können. Die Bilder werden demnächst ausgewertet. Außerdem dürfte der Räuber Fingerabdrücke und DNA-Spuren am Tatort hinterlassen haben, zumal er keine Handschuhe trug. Auch Zeugen sind weiterhin gefragt. Laut Beschreibung der Opfer hat der Täter kurze schwarze Haare. Außerdem trug er eine schwarze Schildkappe und eine blaue Jacke, möglicherweise mit orangen Streifen. Der Täter erweckte den Eindruck, kein Tiroler zu sein. Ob es sich um einen Völser handelt, „lässt sich nicht sagen“, meint Niederwieser. Fest steht aber, dass eine weitere Flucht aus der Gemeinde schwierig gewesen wäre. Die Polizei hatte nicht nur die Ausfallstraßen, sondern auch den Bahnhof abgeriegelt.

Begonnen hat die jüngste Raubserie in der Nacht zum 1. März mit zwei Überfällen auf Frauen im Innsbrucker Zentrum. Innerhalb von zehn Minuten versuchte der Täter, beiden Opfern die Handtaschen zu entreißen. Ohne Erfolg. Als der erst kürzlich eingereiste Nordafrikaner am Sonntag ausgerechnet einem Drogenfahnder in Zivil Suchtgift verkaufen wollte, wurde er festgenommen und als zweifacher Räuber identifiziert.

Beim dritten Raub am Montagnachmittag in der Sterzinger Straße waren ebenfalls Drogen im Spiel. Weil sich die drei Verkäufer und der Käufer nicht über den Preis einigen konnten, nahmen die Dealer dem Betrunkenen unter Vorhalt eines Messers die Geldtasche ab. Die Täter konnten vorerst entkommen.

Am Dienstag war es ein Taxifahrer, der im Westen von Innsbruck Opfer eines missglückten Überfalls wurde. Anstatt zu bezahlen, bedrohte ein Fahrgast den Lenker mit einem Messer, forderte vergeblich dessen Geldtasche und wollte mit dem Taxi flüchten. Allerdings kam der schwer betrunkene Täter mit der Automatikschaltung nicht zurecht – Festnahme.

In der Nacht zum Donnerstag nahmen vier Täter am Busbahnhof einem 65-jährigen Tiroler die Geldtasche ab. Mit etwas über 100 Euro gelang dem Quartett die Flucht.

Die Häufung der Überfälle dürfte Zufall sein. In den Wochen und Monaten zuvor war es deutlich ruhiger. Das bestätigte kürzlich indirekt auch Landespolizeidirektor Helmut Tomac, als er auf die (noch nicht veröffentlichte) Kriminalstatistik 2018 verwies. Derzufolge seien die Straftaten in Tirol zurückgegangen, die Aufklärungsquote ist erneut sehr hoch.