Letztes Update am Di, 26.03.2019 12:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vermisste 15-Jährige

Rebeccas Schwester verteidigt Ehemann: „Er ist unschuldig“

Seit Mitte Februar ist die Berliner Schülerin Rebecca verschwunden. Nun spricht ihre Schwester Jessica über die Situation und ihren zeitweise unter Verdacht stehenden Ehemann Florian.

Polizeibeamte in einem Boot suchen mit Hilfe eines Echolots nach der vermissten Rebecca aus Berlin auf dem Herzberger See.

© dpaPolizeibeamte in einem Boot suchen mit Hilfe eines Echolots nach der vermissten Rebecca aus Berlin auf dem Herzberger See.



Berlin – Die Schwester der verschwundenen Berliner Schülerin Rebecca (15) hat sich erstmals öffentlich zu ihrem zeitweise inhaftierten Mann geäußert. „Wir haben ja alle zusammengehalten und sind alle der Meinung, dass er unschuldig ist“, sagte sie in einem exklusiven Interview mit dem Sender RTL. Der Schwager des verschwundenen Mädchens steht seit Langem im Fokus der Ermittler. Die Berliner Polizei verdächtigt ihn, die 15-Jährige getötet zu haben. Eine Leiche wurde bislang aber nicht gefunden. Am vergangenen Freitag wurde zum zweiten Mal der Haftbefehl gegen den 27-Jährigen aufgehoben, er kam frei.

„Man bekommt viel Druck von außen und wird beleidigt“

Gegenüber RTL sagte Rebeccas Schwester Jessica, es sei eine „schreckliche Situation“ gewesen, als ihr Mann verhaftet wurde. „Ich habe zu meinem Mann gesagt, jetzt bist du wenigstens wieder da, jetzt brauchen wir nur noch Becci, dann ist alles wieder schön.“ Sie sagte außerdem, sie fühle sich beobachtet. „Eigentlich will man mit der Kleinen einfach mal auf den Spielplatz, will mal raus, aber dann überlegt man fast dreimal, ob man sich das uns und der Kleinen antut. Man bekommt viel Druck von außen und wird beleidigt, nur weil wir als Familie zusammenhalten.“

Die Anwältin des 27-Jährigen hatte zuvor Polizei und Medien für ihren Umgang mit ihrem Mandanten kritisiert. Die Ermittler hätten zu viele Details inklusive eines Fotos veröffentlicht, meinte Petra Klein laut RBB. Das habe zu einer Vorverurteilung geführt, sagte sie dem Sender. Vielerorts sei spekuliert worden und „praktisch zur Jagd auf meinen Mandanten aufgerufen“ worden.

Gratwanderung

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Berliner Polizei sprach im Gespräch mit RTL von einer „Gratwanderung“. „Man muss aber auch sehen, dass die Sicherheitsbehörden vor allem ein Interesse haben, ein Verbrechen aufzuklären und in dem Fall vielleicht auch eine 15-Jährige wieder lebendig nach Hause zu bringen. Das ist ein sehr schmaler Grat, aber oft haben die Sicherheitsbehörden einfach kein anderes Mittel.“

Die Polizei habe sehr früh die Arbeitshypothese gefasst, dass Rebecca tot und der Schwager ihr Mörder ist, sagte die Anwältin. „Man könnte derzeit die Vermutung haben, dass die Polizei nicht mehr die Aufklärung des Falles in erster Linie verfolgt, sondern eigentlich nur noch mit der Suche nach einer Leiche beschäftigt ist, die es möglicherweise gar nicht gibt.“

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft hatte gesagt, Rebeccas Schwager bleibe trotz seiner Entlassung aus der U-Haft tatverdächtig. „Er ist weiterhin Beschuldigter des Verfahrens“, sagte sie. Außer einigen Indizien gibt es aber wohl kaum stichhaltige Beweise gegen ihn. Am Montag entfernte die Polizei auch sein Foto aus ihrem letzten Fahndungsaufruf. Es gebe derzeit „keine weiteren Erfolgsaussichten durch die Öffentlichkeitsfahndung“, hieß es.

Weitere Suche am Herzberger See

Indes hat die Berliner Polizei die Suche nach der 15-Jährigen am Herzberger See im Osten Brandenburgs fortgesetzt. Ob dort auch wieder ein Taucher eingesetzt wurde, konnte ein Sprecher am Dienstag zunächst nicht sagen.

Die Polizei war bereits am Montag einem Hinweis zu dem kleinen See rund 60 Kilometer südöstlich von Berlin nachgegangen. Im Einsatz waren Spürhunde, ein Boot, Echolot und mindestens ein Taucher. Das Technische Hilfswerk (THW) unterstützte die Suche. Die Polizei hatte den Zugang zum See zum Teil abgesperrt.

Fünf Wochen nach dem Verschwinden der 15-jährigen Rebbecca hat die Mordkommission noch keinen entscheidenden Hinweis auf den Verbleib des Mädchens gefunden. Bislang gingen rund 2000 Hinweise bei der Mordkommission ein. (TT.com, dpa)