Letztes Update am Fr, 29.03.2019 06:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


13 Tonnen Fleisch beschlagnahmt

Speck-Razzia in Südtirol: Handl-Tochter betroffen

Ermittler haben in zwei Betrieben mehrere Tonnen Selchkarree und Bauchspeck beschlagnahmt. Es besteht der Verdacht auf Etikettenschwindel.

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© TT / Julia HammerleSymbolfoto.



Von Benedikt Mair

Innsbruck, Meran – Mehrer­e Tonnen Selchkarree und Bauchspeck im Wert von 170.000 Euro, über eine Millio­n Etiketten und ein schwerwiegender Vorwurf: Zwei Betriebe in Südtirol, genauer dem Burggrafenamt, waren vor Kurzem Ziel einer Razzia der für Lebensmittelsicherheit zuständigen Carabinieri-Sondereinheit. Einer dieser Betriebe ist Christanell in Naturns, eine hundertprozentige Tochterfirma des Tiroler Speck-Riesen Handl Tyrol. Der Verdacht der Polizeibehörde: Etikettenschwindel in großem Stil.

„Ja, es stimmt. Einer unserer Betriebe in Südtirol war betroffen“, heißt es in einer Stellungnahme von Handl. Insgesamt seien an dem Standort 5040 Packungen Selchkarree mit einem Gesamtgewicht von 540 Kilo konfisziert worden. „Außerdem wurden 182.000 Etiketten beschlagnahmt.“

Die italienische Exekutive wirft dem Betrieb vor, dass er seine Produkte zwar mit dem Prädikat „Made in Ital­y“ versehen hat, das Selchkarree aber in Österreich gefertigt worden sei. Dazu lässt Handl wissen: „Alles Fleisch, das von uns verarbeitet wird, wird in Nordtirol angeliefert und von dort weiter verteilt.“ Bei der sichergestellten Charg­e sei hinzugekommen, dass die Rohling­e in Tirol gesalzen worden seien und die Endfertigung in Südtirol passiert sei.

Es handle sich um keinen „Skandal um Lebensmittel­sicherheit“, wie in einigen italienischen Medien kolportiert worden sei. Das betont Franz Hintner, Tierarzt im Veterinärdienst des Gesundheitsbezirkes Meran, welcher auch an der Aktion beteiligt war. Die Maßnahmen gegen die Handl-Tochter Christanell stächen in eine „Grauzone“ hinein, sagt Hintner im Gespräch mit der TT. „Es geht um die Frage, ab wann etwas als in Südtirol bzw. Italien gefertigt bezeichnet werden darf – oder eben nicht.“ Auch die EU-Gesetzgebun­g lasse hier vieles offen. „Einerseits sind die Marken gesetzlich geschützt, andererseits wird das Rohprodukt, im Fall des Specks die Schweine, aus Polen oder anderen Ländern importiert.“ Im Grunde sei die spezielle Art der Produktion markenrechtlich geschützt, nicht die Zutaten, klärt der Tiermediziner auf.

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Beim zweiten Betrieb, der keinen Bezug zu Tirol oder Österreich aufweist, wurden bei derselben Polizeiaktion 60.000 Packungen Selchkarree und Bauchspeck mit einem Gewicht von 8,6 Tonnen sowie 1,5 Millionen Etiketten – in diesem Fall mit der Marke „Südtiroler Speck“ versehen – eingezogen.

Die Chefs der beiden Betriebe wurden von der Polizei wegen Etikettenschwindels angezeigt.