Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.04.2019


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Glücksspielbranche will Polizei austricksen: Handys ersetzen Automaten

Mit neuen Methoden versucht die Glücksspiel-Branche, die Polizei in die Irre zu führen. Statt Automaten wird immer öfter am Smartphone gezockt. Doch die Ermittler geben sich nicht geschlagen.

Das Verschrotten von beschlagnahmten Spielautomaten wie hier in Hall wird kaum noch nötig sein. Die Branche setzt auf Handys.

© Zeitungsfoto.atDas Verschrotten von beschlagnahmten Spielautomaten wie hier in Hall wird kaum noch nötig sein. Die Branche setzt auf Handys.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Spielautomaten sind out, Handys in: Um die Polizei in die Irre zu führen, setzen die Betreiber von illegalen Spiellokalen auf Einfallsreichtum. Der letzte Schrei: Anstatt auffälliger Automaten müssen die Zocker ihre eigenen Handys nützen. Doch auch die Beamten des Strafamtes (Landespolizeidirektion) zeigten Einfallsreichtum, schleusten sich in die Szene ein – und sperrten eine weitere Spielhölle zu.

Es war bereits Ende 2018, als die Beamten der verdächtigen Bar einen Besuch abstatteten und die Schließung androhten. „Schon damals ergaben sich Hinweise, dass im Lokal illegales Glücksspiel angeboten wird“, erinnert sich Strafamtsleiter Florian Greil.

Grund genug, den Gastbetrieb erneut in Augenschein zu nehmen. Allerdings nicht – wie sonst üblich – im Rahmen einer Razzia. Diesmal gingen die Beamten behutsamer vor. Zunächst betrat nur ein Strafamtsmitarbeiter das Lokal, gab sich als eingeweihter Gast aus und ließ sich von der Kellnerin ein Benutzerkonto für eine Glücksspiel-Webseite anlegen. Dann kaufte er für 50 Euro ein Spielguthaben, installierte ein App auf seinem Handy und erhielt so Zugang zur Webseite. Damit wurde das Mobiltelefon des Polizeibeamten zum Spielautomaten. Und zum Beweis, dass im Lokal illegales Glücksspiel angeboten wird. Seither klebt das Amtssiegel am Eingang, der Betrieb wurde noch am selben Abend geschlossen. Auch die Spiel-Webseite war vorübergehend außer Betrieb. Wie die Ermittlungen ergaben, „wird bei Gefahr im Verzug auf eine griechische Medienseite umgeleitet“, weiß Greil inzwischen.

Die Beamten fanden auch heraus, dass mehrere Spiellokale in Westösterreich die Webseite nützen. Und zwar unabhängig voneinander: „Wer in Lokal A einen Account anlegt, kann zwar mit seinem Handy überall spielen. Ein Spielguthaben einzahlen oder den Gewinn kassieren, kann er aber nur in Lokal A“, so Greil weiter. Ohne Benutzerkonto ist die Webseite nicht erreichbar. Dieses Konto können aber nur autorisierte Personen aka Lokalmitarbeiter anlegen. Und warum so kompliziert, wieso nützen die Zocker nicht einfach frei zugängliche Glücksspiel-Angebote im Internet? „Ich glaub’, es geht auch um das gemeinsame Spielerlebnis in diesen Lokalen“, vermutet Greil.