Letztes Update am Fr, 19.04.2019 09:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bangladesch

19-Jährige warf Mann Vergewaltigung vor und wurde verbrannt

Eine Schülerin in Bangladesch warf ihrem Direktor sexuelle Belästigung vor. Der Mann soll daraufhin angeordnet haben, Druck auf die 19-Jährige auszuüben. Die junge Frau wurde mit Benzin übergossen und angezündet. Sie starb.

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Dhaka – In Bangladesch ist eine 19-Jährige laut Polizei auf Anordnung ihres Schulleiters in Brand gesteckt worden, weil sie ihm sexuelle Belästigung vorwarf. Die Polizei teilte am Freitag mit, einer von insgesamt 17 Festgenommenen in dem Fall habe den Leiter eines Islamischen Seminars beschuldigt, den Angriff beauftragt zu haben.

Der Lehrer habe sie angewiesen, „Druck“ auf die junge Frau auszuüben, die Vorwürfe fallen zu lassen, „oder sie zu töten, wenn sie sich weigert“, sagte Ermittler Mohammad Iqbal.

Der Fall der 19-jährigen Nusrat Jahan Rafi sorgt in ganz Bangladesch für Entsetzen. Sie hatte ihren Schulleiter Ende März wegen sexueller Belästigung bei der Polizei angezeigt. Wenige Tage später wurde sie auf das Dach der Schule gelockt, mit Kerosin übergossen und in Brand gesteckt. Die junge Frau erlitt Verbrennungen an 80 Prozent ihres Körpers und starb am 10. April im Krankenhaus.

Vorwürfe in Video bekräftigt

Vor ihrem Tod zeichnete Rafi ein Video auf, in dem sie ihre Vorwürfe gegen den Schulleiter bekräftigte. „Der Lehrer hat mich angegriffen, ich werde gegen dieses Verbrechen bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen.“ Sie nannte darin auch einige der Angreifer, die ihr aufgelauert hatten.

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Laut Polizei hatten mindestens fünf der Festgenommenen, darunter drei Mitschüler, die junge Frau mit einem Schal gefesselt. „Der Plan war, den Vorfall als einen Selbstmord auszugeben. Aber er scheiterte, als es Rafi gelang, die Treppe hinunterzulaufen, nachdem das Feuer den Schal durchgebrannt und ihre Hände und Füße wieder frei waren“, sagte Ermittler Iqbal.

Nach dem Tod der jungen Frau hatte es in der vergangenen Woche landesweit Proteste gegeben. Regierungschefin Sheikh Hasina versprach, dass „keinem der Täter gerichtliche Schritte erspart bleiben“.

Menschenrechtsorganisationen beklagen in Bangladesch wegen unzureichender Strafverfolgung eine steigende Zahl von Vergewaltigungen und Belästigungen. Auch Rafis Anzeige war bei der Polizei als „keine große Sache“ abgetan worden, wie aus einem geleakten Video hervorging. (APA/AFP)