Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.04.2019


Innsbruck

Unternehmer wollte Verbot umgehen: Trotz neuer Masche zugesperrt

Mit „ferngesteuerten Ersatzspielern“ wollte ein Unternehmer das Glücksspielverbot umgehen.

Obwohl die Polizeibeamten keinen Glücksspielautomaten fanden, wurde das Lokal am Bozner Platz zugesperrt.

© Thomas HörmannObwohl die Polizeibeamten keinen Glücksspielautomaten fanden, wurde das Lokal am Bozner Platz zugesperrt.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – „Polizeiabsperrung, versiegelt“: Obwohl das Strafamt (Landespolizeidirektion) bei einer Razzia keinen einzigen Spielautomaten in einem Lokal fand, klebt jetzt dieser Schriftzug am Eingang. „Weil dort dennoch illegales Glücksspiel angeboten wurde“, erklärt Strafamtsleiter Florian Greil. Allerdings auf eine Weise, die neu in Innsbruck ist.

Als die Beamten das Lokal am Bozner Platz in der Innenstadt einer Kontrolle unterzogen, war von Spielgeräten nichts zu sehen. Stattdessen hingen zahlreiche Bildschirme an den Wänden. Mehrere Kunden schauten auf die Monitore. „Dort waren Spieler von hinten zu sehen, wie diese Glücksspielautomaten bedienen“, erzählt Greil. Wie die Ermittlungen der Beamten ergaben, handelt es sich dabei um „Ersatzspieler“, die von den Zockern im Lokal per Handy-App „ferngesteuert“ werden. „Auf den Bildschirmen können die Kunden live verfolgen, wie ihre Anweisungen umgesetzt werden“, erläutert Greil das System.

Zuvor müssen sich die Glücksspieler im Lokal mit ihrer Handynummer registrieren lassen. Dann zahlen sie den gewünschten Einsatz ein und erhalten einen Chip, auf den die Summe gebucht ist. Und schon kann’s losgehen.

Wo die TV-Aufnahmen entstehen, ist unklar. Laut Auskunft des Lokalbetreibers „irgendwo im Ausland, wo Glücksspiel erlaubt ist“, erfuhr Greil. Der Glücksspielunternehmer war offenbar der Ansicht, sein System sei legal. „Weil in seinem Lokal die Automaten ja nicht bedient werden“, so Greil weiter.

Eine Rechtsauffassung, die das Strafamt nicht teilt. Dabei spielt auch eine Rolle, dass etwaige Gewinne im Lokal ausbezahlt wurden. Nachdem die Beamten bereits vor Wochen die Schließung des Betriebs angedroht haben, wurde dieser vor zehn Tagen endgültig zugesperrt.