Letztes Update am Mi, 08.05.2019 06:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankreich

Jugendlicher hielt in Toulouse vier Frauen stundenlang als Geiseln fest

Laut einem Medienbericht soll der Geiselnahme ein misslungener Raubüberfall vorangegangen sein. Der Täter soll demnach erst 17 Jahre alt sein.

Polizisten am Ortsrand von Blagnac.

© AFPPolizisten am Ortsrand von Blagnac.



Blagnac – Ein Jugendlicher hat vier Frauen in der Nähe von Toulouse stundenlang als Geiseln gehalten. Er wurde am Dienstagabend von Einsatzkräften der Eliteeinheit RAID überwältigt. Alle Geiseln waren einige Stunden zuvor unverletzt frei gekommen. Der Bewaffnete verschanzte sich anschließend weiter in einem Zigaretten- und Wettlokal in Blagnac und wurde schließlich festgenommen.

Das teilte Innenminister Christophe Castaner mit. Unklar war das Motiv der Tat. Die Ermittler gingen aber zunächst nicht von einem terroristischen Motiv aus.

Der „fast 18-jährige“ Täter sei polizeibekannt – etwa für Gewalt gegen die Polizei und Diebstahl, sagte Staatsanwalt Dominique Alzeari. Er sei im Dezember bei einer Demonstration der „Gelbwesten“-Bewegung festgenommen worden.

Suche nach Motiv

Der Staatsanwalt erwähnte außerdem ein Schreiben, in dem sich der Geiselnehmer auf die Bewegung bezieht und sich außerdem mit seinem psychischen Gesundheitszustand beschäftigt. Medien berichteten zuvor, dass der Geiselnahme ein misslungener Raubüberfall vorausgegangen sei.

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Die entscheidende Frage der Untersuchung sei nun das Motiv des jungen Mannes, teilte der Staatsanwalt mit. Die Geiseln würden weiterhin verhört und betreut.

Nach seiner Festnahme sei der junge Mann bei „guter Gesundheit“ gewesen, sagte der Chef der Eliteeinheit RAID, Jean-Baptiste Dunion. „Ich glaube nicht, dass er etwas nicht Wiedergutzumachendes tun wollte“, sagte der Bürgermeister von Blagnac, Joseph Carles.

Täter rief selbst die Polizei

Die Geiselnahme hatte gegen 16.30 Uhr begonnen. Die Gegend um das Zigarettengeschäft wurde weiträumig abgesperrt, Spezialkräfte waren im Einsatz. Die Polizei forderte Bürger auf, den Bereich in Blagnac zu meiden. „Man hat uns aufgefordert, die Fensterläden zu schließen und bei uns eingeschlossen zu bleiben“, zitierte die Regionalzeitung La Depeche du Midi Nachbarn.

Der französische Nachrichtensender BFMTV berichtete, der Mann habe zu Beginn der Geiselnahme die Polizei selbst angerufen und verlangt, mit einem Vermittler der Eliteeinheit RAID zu sprechen. Gegen 20 Uhr wurde die erste Geisel aus der Gewalt des jungen Mannes befreit, kurze später kamen auch die drei anderen Frauen frei.

Bei den Geiseln handelte es sich laut Dépeche du Midi um die Chefin des Zigarettengeschäfts, ihre Tochter und zwei Angestellte. Der Geiselnehmer habe gegen 19 Uhr allen Geiseln erlaubt, einen Verwandten anzurufen. Es habe anschließend intensive Verhandlungen mit RAID gegeben.

Die „Gelbwesten“-Bewegung protestiert seit Mitte November vergangenen Jahres unter anderem gegen die als zu niedrig empfundene Kaufkraft in Frankreich sowie gegen Präsident Emmanuel Macron und dessen Reformpolitik. (dpa)