Letztes Update am Mi, 08.05.2019 15:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

28-Jährige zerstückelt: Mann zu lebenslanger Haft verurteilt

Ein 64-Jähriger, der eine 28-jährige Geheimprostituierte getötet, zerstückelt und teilweise gekocht haben soll, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Mann wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Der Angeklagte am Mittwoch vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.

© APADer Angeklagte am Mittwoch vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.



Wien – Ein 64-Jähriger, der am 29. März 2018 eine Geheimprostituierte (28) erwürgt, zerstückelt und die Leichenteile im Neusiedler See versenkt haben soll, hat sich am Dienstag am Landesgericht Wien wegen Mordes verantworten müssen. Dem wegen Totschlags, Vergewaltigung und Notzucht massiv Vorbestraften droht lebenslange Haft und die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Der Angeklagte bekannte sich schuldig, die gebürtige Ungarin in Wien getötet zu haben, weil sie sich über ihn lustig gemacht habe. Statt der ausgemachten Zärtlichkeiten wollte die 28-Jährige nur den Geschlechtsverkehr vollziehen, alles darüber hinaus hätte zusätzliches Geld gekostet. Nach der Tötung hätte er sein Opfer mit einer Säge und einem Messer in der Badewanne zerstückelt. Mit den Leichenteilen fuhr er dann in die Ruster Bucht, wo er eine Hütte geerbt hatte, und versenkte diese.

Opfer am Westbahnhof angesprochen

Sein späteres Opfer sprach der Mann im März 2018 am Westbahnhof an. Er habe sich mit diversen Frauen immer wieder Streicheleinheiten erkauft. „Ausgemacht haben wir für 50 Euro ein bissi Schmusen und Busenkuscheln.“

Bei ihm zu Hause habe diese aber weitere 50 Euro für Zärtlichkeiten verlangt und zu schreien begonnen. „Ich habe die Panik bekommen, dass Nachbarn die Polizei rufen und habe sie gewürgt.“ Danach ließ er noch mal von ihr ab, woraufhin die 28-Jährige wieder zu schreien begonnen habe, daraufhin habe er sie erwürgt. „Ich habe den Puls gefühlt und sie geschüttelt, aber der Kopf hat nur mehr herumgewackelt.“ Anschließend schaffte er die Leiche in die Badewanne. „Ich habe gewusst, ich habe Scheiße gebaut, aber ich wollte nicht ins Gefängnis“, so der 64-Jährige zu Richterin Christina Salzborn.

Deshalb zerstückelte er die Leiche, verpackte die Einzelteile in Müllsäcke und brachte diese in seine Seehütte. Eigentlich wollte er die menschlichen Überreste mitten im See versenken. „Doch der Bootsakku ist mitten in der Ruster Bucht verreckt.“ Am nächsten Tag habe er bemerkt, dass er einen Sack samt Inhalt vergessen hatte. Aus einem Teil habe er Gulasch gekocht, ein viertel bis ein halbes Kilogramm faschiert. Er habe sich gedacht, „vielleicht koste ich das einmal“.

Staatsanwältin sieht „Spitze des Eisberges“

Die Staatsanwältin ging in ihrem Plädoyer ausführlich auf die bisherigen Vorstrafen des Angeklagten ein, und betonte sein brutales, sadistisches Vorgehen bei dessen Sexualdelikten. „Was er von der Tat erzählt, ist nur die Spitze des Eisbergs“, zeigte sich die Anklägerin überzeugt. Der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann bescheinigt dem 64-Jährigen eine hochgradige geistige Abnormität und stuft den Mann in Verbindung damit als gefährlich ein. Laut Gutachten weist der Angeklagte eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit sadistischen Elementen und Zügen zum Kannibalismus auf.

Verteidigerin Astrid Wagner stellte ihren Mandanten als Opfer dar. Dieser hätte eine lieblose Kindheit erlebt und mehr als 30 Jahre hinter Gittern verbracht. „Im Gefängnis verlernt man das Leben und die Liebe.“ Die Gesellschaft habe dazu beigetragen, dass er „körperlich und seelisch verkrüppelt ist“. Er sei keine Bestie, sondern habe auch seine guten Seiten. „Er ist hilfsbereit, mitfühlend und hat einen starken Familiensinn, vor allem für seine Enkelkinder.“ Später gefragt, wie viele Enkelkinder er habe, sagte er: „Sechs oder acht, so genau weiß ich das nicht.“

Lebenslang und Anstaltseinweisung

Der 64-Jährige wurde am Mittwoch am Landesgericht Wien wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er wird zudem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Schuldspruch der Geschworenen in allen Punkten war einstimmig. Laut der vorsitzenden Richterin Christina Salzborn sei der Angeklagte so oft wegen brutalster Verbrechen vor Gericht gestanden, dass keine andere Strafe als lebenslange Haft möglich gewesen sei. Auch bezüglich der massiven Persönlichkeitsstörung gebe es keinerlei Zweifel, weshalb eine Unterbringung notwendig sei.

Nach längerer Beratung mit seiner Verteidigerin Astrid Wagner meldete der Beschuldigte Berufung gegen die Strafhöhe sowie den Privatbeteiligtenzuspruch an die Verwandten des Opfers an. Zudem beantragte die Juristin die Überstellung ihres Mandanten in den Strafvollzug. (TT.com/APA)