Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Gerichtssplitter

Der geliebte US-Soldat war ein Phantom: Frau freigesprochen

Eine Frau war wegen Geldwäsche angeklagt, war aber selbst Opfer von Betrug. Im Unterland führte ein Dartspiel zu Messertichen.

Betrugsmasche: Ein Web-Betrüger gaukelte vor, ein in Kabul stationierter US-Soldat zu sein.

© X02749Betrugsmasche: Ein Web-Betrüger gaukelte vor, ein in Kabul stationierter US-Soldat zu sein.



  • Unter dem Begriff „Love Scamming" grassiert derzeit eine besonders perfide Betrugsmasche, die sich gegen alleinstehende Frauen richtet. Wie der Neffentrick bei Senioren basiert der Betrug auf reiner Fiktion und von langer Hand vorbereiteter Täuschung. Derzeit besonders beliebt: fesche US-Soldaten, die direkt von der Front den Weg in ein normales Leben und in eine Beziehung suchen. So zumindest die Schilderungen in diversen Foren und Facebook-Accounts. Über einen solchen hatte eine heute 52-Jährige auch „ihren" Soldaten kennen gelernt. Rührende Geschichten aus dem Einsatzort Kabul folgten, gleichwie ein intimer E-Mail-Verkehr. Schon bald erwies sich der Offizier aber nicht mehr als Gentleman und bat die Frau um erste finanzielle Unterstützungen. Auch das erste Treffen sollte aus der Tasche der Frau finanziert werden. Am Flughafen wartete die 52-Jährige aber dann umsonst.

    War der Web-Soldat doch angeblich in der Türkei verunfallt, dabei sei ihm auch noch der Pass gestohlen worden. Etliche solche Geschichten folgten, bis insgesamt 8000 Euro geflossen waren und die Frau aufgrund zweifacher Geldwäsche über ihr Konto auch noch zur Angeklagten geworden war. Gestern am Landesgericht konnte die Betrogene ihre Tränen nicht unterdrücken: „Sogar meine ganzen Online-Banking-Daten habe ich ihm geschickt. Es war der Fehler meines Lebens. Ich werde ihn ein Leben lang bereuen!" Verteidiger Matthias Holzmann skizzierte darauf, dass seine Mandantin reines Betrugsopfer, aber niemals Beitragstäterin zu Geldwäsche gewesen sei. Dies machte die Frau im Prozess auch dem Gericht glaubhaft — nicht einmal den Begriff „Phishing Mail" kannte sie. Verteidiger Holzmann: „Sie hat sich in einen Mann verliebt, den es nicht gibt. Dazu war sie gutgläubig und erlebte ein böses Erwachen!" Rechtskräftiger Freispruch. Allein die Eigenzahlungen belegten für das Gericht die Opferrolle.
  • Wegen absoluter Nichtigkeiten lassen sich Leute oft zu Gewalttaten hinreißen. Im Unterland waren sich im Dezember bei einem Dartspiel zwei Freunde (62, 44) in die Haare geraten. Reaktion des gestern wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung Angeklagten: Er ging zum Auto, holte Messer und Pfefferspray und attackierte damit seinen 44-jährigen Spielpartner. Wie durch ein Wunder blieb der seitliche Stich in den Brustkorb für das Opfer praktisch ohne Folgen. Bei einer Strafandrohung von zehn Jahren Haft verhängte Richter Josef Geisler trotz Unbescholtenheit drei Jahre Gefängnis und 3000 Euro Schmerzensgeld: „Dies war keine spontane Tat. Derlei Vorgehen ist nicht akzeptabel!" (fell)



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