Letztes Update am Mo, 13.05.2019 07:12

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kirche

Doku über Kindesmissbrauch in Kirche erschüttert Polen

Die am Samstag auf YouTube veröffentlichte Dokumentation wurde innerhalb von 32 Stunden fünf Millionen Mal angesehen. Der zweistündige Film des unabhängigen Journalisten Tomasz Sekielski trägt den Namen „Sag es bloß niemandem“.

Ein Priester wurde 1968 wegen Unzucht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - trotzdem durfte er weiter in der Kirche aktiv sein.

© imagoEin Priester wurde 1968 wegen Unzucht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - trotzdem durfte er weiter in der Kirche aktiv sein.



Warschau – Eine Dokumentation über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester erschüttert Polen. Die am Samstag auf YouTube veröffentlichte Dokumentation wurde innerhalb von 32 Stunden fünf Millionen Mal angesehen. Der zweistündige Film des unabhängigen Journalisten Tomasz Sekielski trägt den Namen „Sag es bloß niemandem“ und wurde zum Teil mit versteckter Kamera gedreht.

Die Dokumentation zeigt Begegnungen von Opfern pädophiler Priester mit ihren einstigen Peinigern. Einige inzwischen sehr alte Priester gestehen den Missbrauch, bitten um Vergebung und bieten manchmal finanzielle Entschädigung an. Dokumentiert wird auch, wie Priester, die wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt oder sogar verurteilt wurden, in andere Gemeinden versetzt wurden, wo sie weiter mit Kindern zu tun hatten.

Härtere Strafen angedroht

Der Chef der rechtsnationalistischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, sagte am Sonntag, wer sich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig mache, müsse „besonders hart bestraft“ werden, egal ob es sich um Priester oder Prominente handle. Dabei spielte er offenbar auf den polnischen Regisseur Roman Polanski an, ohne ihn beim Namen zu nennen.

Ohne direkt auf den Film einzugehen, kündigte Kaczynski Änderungen am Strafgesetzbuch an. Härtere Strafen für sexuellen Missbrauch seien „schon vorbereitet“ worden, sie könnten bis zu 30 Jahre Haft bedeuten.

Die Reaktion der Kirche fiel zurückhaltend aus. Der Primas von Polen, Erzbischof Tomasz Polak, erklärte, er sei „zutiefst bewegt“ von dem Film. „Ich bitte um Vergebung für alle Verletzungen, die durch Männer der Kirche zugefügt wurden“, hieß es in einer Mitteilung. Der Präsident der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, bekundete seine „Ergriffenheit und seine Traurigkeit“.

Die katholische Kirche wird seit Jahrzehnten von Missbrauchsskandalen erschüttert. Die Skandale schlagen in vielen Ländern hohe Wellen. (APA/AFP)