Letztes Update am Fr, 24.05.2019 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

Rätselhafter Hungertod von Mutter und Zwillingstöchtern in Wien

Die Polizei fand keine Hinweise auf Zwang und Motiv. Es gab keine Abschiedsbriefe und in der Wohnung wurden keine Lebensmittel gefunden.

Die Mutter und ihre Zwillingstöchter, die am Dienstag tot in ihrer Wohnung in Wien aufgefunden wurden, dürften schon Ende März oder Anfang April gestorben sein.

© APADie Mutter und ihre Zwillingstöchter, die am Dienstag tot in ihrer Wohnung in Wien aufgefunden wurden, dürften schon Ende März oder Anfang April gestorben sein.



Wien – Die Frauen starben vermutlich bereits Ende März oder Anfang April. Entdeckt wurden die Leichen einer 45-jährigen Wienerin und ihrer Zwillingstöchter (18) aber erst am Dienstag in ihrer Wohnung in Wien-Floridsdorf. Gestern veröffentlichte die Polizei das Ergebnis der Obduktionen: Die Mutter und ihre Töchter waren verhungert. In der Wohnung wurden weder Lebensmittel noch Abschiedsbriefe gefunden. Vieles deutete darauf hin, dass die Tragödie mit einer psychischen Erkrankung der Mutter zusammenhängt.

Schon vor Jahren soll bei der Frau, die sich mehrmals ins Frauenhaus geflüchtet hatte, die Diagnose gestellt worden sein. Ob bzw. wie das zu einem offenbar freiwilligen Verhungern auch der 18-Jährigen geführt haben konnte, blieb zunächst unbeantwortet. Die Polizei machte aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Verstorbenen und aus Rücksicht auf Angehörige keinerlei Angaben zu solchen persönlichen Details, bzw. sind wohl auch für die Ermittler viele Fragen offen. „Nicht immer lässt sich alles restlos aufklären“, hieß es. Es sehe aber aus, „als wenn das beabsichtigt gewesen, freiwillig gemacht oder in Kauf genommen worden wäre“.

Die Familie habe isoliert gelebt. „Sie hatten wenig soziale Kontakte“, auch nicht zu den Nachbarn in der Wohnhausanlage mit Hunderten Bewohnern. Entsprechend wenige Informationen erhielt die Polizei bisher aus dem Umfeld. Die Wohnung hätten Mutter und Töchter „immer nur gemeinsam“ verlassen, berichtete der Sprecher.

Andrea Friemel von der Wiener Kinder- und Jugendhilfe beschrieb die Zwillinge als „schüchterne Kinder, ruhige Mädchen in der Pubertät“. Wohl habe es eine Entwicklungsverzögerung, aber keine schwere geistige Beeinträchtigung gegeben. In der Schule seien sie als Integrationskinder geführt worden. Im Herbst 2016, nicht mehr schulpflichtig, wurden die Jugendlichen von der Schule abgemeldet.

Im Dezember kam die Familie daraufhin in Kontakt mit der Behörde. Ehrenamtliche Betreuer aus einem Mentorenprojekt schalteten das Jugendamt ein. Dessen „Abklärung der Situation“ habe im März 2017 ohne die Notwendigkeit weiterer Veranlassungen geendet. Seither habe es keinen Kontakt der Kinder- und Jugendhilfe mehr mit der Familie gegeben. (APA, TT)