Letztes Update am Fr, 24.05.2019 07:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Großes Drogen-Netzwerk in Tirol zerschlagen: Sieben Festnahmen

Wie die Kripo herausfand, soll ein Paar von Innsbruck aus einen internationalen Drogenring dirigiert haben. Die genaue Buchhaltung wurde zum Verhängnis.

Oberst Martin Kirchler bei der Pressekonferenz am Donnerstag zum Ermittlungserfolg der Tiroler Polizei.

© Thomas Boehm / TTOberst Martin Kirchler bei der Pressekonferenz am Donnerstag zum Ermittlungserfolg der Tiroler Polizei.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – 19 Verdächtige aus sieben Staaten ausgeforscht, rund 26 Kilo Suchtmittel und 41.000 Euro beschlagnahmt: Die Drogenfahnder der Innsbrucker Kripo konnten in den vergangenen Monaten einen internationalen Drogenring zerschlagen, der von der Landeshauptstadt aus gesteuert und organisiert worden war. Einer der größten Erfolge im Kampf gegen die heimische Suchtgiftszene, der auch einem vierbeinigen „Polizisten“ zu verdanken ist. Der Drogen-Spürhund hat im Herbst den ersten Hinweis geliefert.

Genau genommen war’s ein weißer Kombi, der beim Ausparken im November in Pradl die Aufmerksamkeit des Polizeihundes auf sich zog. Als die Beamten den Wagen anhielten, entdeckten sie im Innenraum „jede Menge Verpackungsmaterial“, erzählt Markus Wander, Chef des Fachbereichs 3, der für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständig ist. Ein genauerer Blick in den Pkw des Innsbrucker Pärchens führte dann zur Sicherstellung von Cannabis. Als wahre Fundgrube für die Drogenfahnder erwies sich dann aber die Pradler Wohnung des 35-jährigen Beschäftigungslosen und seiner Freundin. Dort entdeckten die Beamten nicht nur weitere Drogen und Bargeld, sondern auch „Buchhaltungsunterlagen“, sagt Wander. Und die enthielten Informationen, wer was wohin lieferte bzw. von wo importierte. Anders ausgedrückt: Aus den Unterlagen ging hervor, dass das Pärchen offenbar einen internationalen Drogenring dirigierte. „Die Namen der Mittäter waren abgekürzt“, so Wander weiter: „Aber wir haben dann schon herausgefunden, wer sich dahinter verbirgt.“ Und zwar „zwölf Österreicher, drei Schweizer, ein Portugiese, ein Deutscher, ein Pole, ein Israeli“, ergänzt Christoph Kirchmair, interimistischer Leiter der Innsbrucker Kripo. Sieben Verdächtige sitzen mittlerweile in U-Haft, zwei sind flüchtig, der Rest wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Ungewöhnlich an dem Fall ist auch das internationale Import/Export-Geschäft: Seit 2014 wurden 178 Kilo Cannabis, 3,6 Kilo Kokain, drei Kilo Amphetamin, 10.500 Stück Ecstasy und 1300 LSD-Trips im Gesamtwert von 2,5 Mio. Euro aus Indien, Nepal, Portugal, Spanien, Holland, Marokko, Brasilien und der Schweiz eingeführt und teils auch dorthin geliefert. So ergaben die Ermittlungen, dass ein Kurier mit Cannabis nach Brasilien flog und mit Kokain zurückkehrte. Indische Geschäftspartner warben in ihrer Heimat Kuriere an und schickten sie mit präparierten Koffern, in deren doppelten Böden Drogen versteckt waren, auf die Reise nach Österreich oder in die Schweiz.

Der Tiefkühler in der Pradler Wohnung enthielt nicht nur Lebensmittel, sondern auch Drogen, die in scheinbar originalverschweißten After-Eight-Packungen versteckt
Der Tiefkühler in der Pradler Wohnung enthielt nicht nur Lebensmittel, sondern auch Drogen, die in scheinbar originalverschweißten After-Eight-Packungen versteckt
- Polizei

Dort übernahm das Pärchen die heiße Ware. In Innsbruck wurden die Drogen kiloweise von weiteren Mitgliedern der Gruppe übernommen und in die Bundesländer verteilt.

Bei Verstecken der verbotenen Fracht war die Organisation durchaus einfallsreich: Die Ermittler stießen nicht nur auf die präparierten Schmuggel-Koffer. Sondern in der Wohnung des Pärchens auch auf scheinbar originalverschweißte After-Eight-Packungen, die dennoch Drogen enthielten und aus Indien kamen: „Die Folie wurde offenbar ganz vorsichtig geöffnet und dann wieder zugeklebt“, erzählt Wander. Für die Importe aus Spanien kamen Wohnmobile zum Einsatz: „Wer diese Fahrzeuge kennt, weiß, wie viele Hohlräume sich dort als Verstecke anbieten“, so der Chef der Drogenfahnder.

Auch beim Verstecken in der Pradler Wohnung bewies das Pärchen Einfallsreichtum: Bei der Hausdurchsuchung wurden die Beamten im Tiefkühler fündig.

An den Ermittlungen waren unter der Federführung der Innsbrucker Kripo auch mehrere Landeskriminalämter, das Bundeskriminalamt und Europol beteiligt.