Letztes Update am Mi, 29.05.2019 06:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Prozess nach Messerattacke in Imst: Fünf Jahre Haft für 20-Jährigen

Eine Messerstecherei nach einer Party in Imst endete im Vorjahr tödlich. Der 20-jährige Angeklagte fasste vor dem Schwurgericht fünf Jahre Haft für absichtliche schwere Körperverletzung mit Todesfolge aus.

Der 20-Jährige mit Verteidiger Hubert Stanglechner.

© TT/Rudy De MoorDer 20-Jährige mit Verteidiger Hubert Stanglechner.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Als „Mutter der Eskalationen“ wurde letzten Mai eine DJ-Party in Imst beworben. An deren Ende stand tatsächlich ein Todesopfer. Eine Gruppe provozierender Vorarlberger war sich mit Türkischstämmigen aus Imst in die Haare geraten. Nachdem man sich eigentlich schon ausgesprochen hatte, kam es später erneut zum Disput, der im Zweikampf „Mann gegen Mann“ geklärt werden sollte.

Diesen entschied einer der Lustenauer bald für sich. Bis der gut durchtrainierte 17-Jährige einen Tritt gegen den Kopf bekam und sich darauf dem gestern wegen Mordes angeklagten 20-Jährigen zuwandte. Dieser zog ein Messer aus der Jackentasche und stach zu. Ein Stich traf direkt in das Herz des 17-Jährigen. Das Messer hatte der zuvor am Streit praktisch unbeteiligte Lehrling übrigens zuvor seinem 16-jährigen Neffen abgenommen, „dass nichts passiert“. Vor den Geschworenen verließ den Angeklagten die Erinnerung an das Geschehene. Gefürchtet habe er sich eben vor dem herannahenden Lustenauer und so in Notwehr zugestochen. Verteidiger Hubert Stanglechner: „Angst begründete die Tragik. Er hat das Messer falsch eingesetzt, aber es war kein Mord!“, so Stanglechner.

Ganz anders Staatsanwältin Nina Härting. Sie sah keinerlei Notwehrsituation vorliegen, da der Angeklagte über keinen unmittelbar bevorstehenden Angriff berichten konnte: „Er weiß ja nicht einmal, ob das Opfer die Fäuste geballt hat.“ Unter Androhung der Nichtigkeit sprach sich Anklägerin Härting – vergebens – gegen die Fragestellung einer Notwehr gegenüber den Geschworenen aus.

Die Gerichtspsychiaterin zum Wesen des 20-Jährigen: „Aufgrund seiner schmächtigen Erscheinung ist er sehr unsicher, absolut kein Anführer. Es fällt ihm schwer, sich Respekt zu verschaffen. Gerade in seiner Kultur ist es aber wichtig, der starke Mann zu sein – eine enorme Diskrepanz.“ Dies erkläre, warum er vor dem Neffen Stärke zeigen und diesen mit dem Messer schützen wollte.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Geschworenen sahen keine Notwehr und mit 4:4 Stimmen (Patt geht zugunsten eines Angeklagten) gerade noch keinen Mord. Für absichtliche schwere Körperverletzung mit Todesfolge (7:1) ergingen so nicht rechtskräftig fünf Jahre Haft.