Letztes Update am Di, 04.06.2019 07:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Ehefrau vor Trennung zu Tode geprügelt: 20 Jahre Haft

Mit Fäusten und Füßen hatte ein Syrer seine Frau im Asylheim zu Tode malträtiert. Die Geschworenen antworteten mit 20 Jahren Haft.

Der Angeklagte soll seiner Ehefrau aus Eifersucht schwerste Verletzungen zugefügt haben.

© TT/BöhmDer Angeklagte soll seiner Ehefrau aus Eifersucht schwerste Verletzungen zugefügt haben.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Eine lange Flucht hatte eine syrische Familie über die Türkei und Griechenland nach Österreich geführt. Schon vor dem fernen Ziel war die Ehe des Paars jedoch zu Ende. So hatte die 23-Jährige offen Trennungswünsche ausgesprochen und Kontakt zu einem in Deutschland aufhältigen Landsmann. Ein Affront für den 38-jährigen Ehemann und dessen Familie.

Als dieser schließlich im November Frau und Kind aus Griechenland nachgefolgt war, war die Empörung groß, dass seine Frau schon vorab durchgesetzt hatte, dass sie nicht mit ihm zusammen im Innsbrucker Asylheim Trientlgasse wohnen müsse. Besuche, um die kleinen Kinder zu sehen, folgten – und jedes Mal massive Streitereien. So auch am Christtag, wo die Frau den Mann verdächtigt hatte, ihr Handy versteckt zu haben, um Anrufe nach Deutschland zu unterbinden.

Kurz verließ der Syrer darauf das Heim und kehrte nach dem Konsum einer halben Flasche Whisky zurück. Was darauf an Gewalttaten mit bloßen Fäusten und Füßen folgte, bezeichnete Gerichtsmediziner Walter Rabl gestern beim Mordprozess am Landesgericht als Polytrauma. Letztlich war die 23-Jährige zweieinhalb Stunden später an inneren Verletzungen in der Klinik verstorben. „Das Opfer konnte diese Verletzungen nicht überleben“, so Rabl.

Den Geschworenen gegenüber gab der Angeklagte vor, dass er wohl wegen des Alkoholkonsums keine Erinnerung mehr an den Vorfall habe. Richter Andreas Mair: „Sie hatten zur Tat 0,8 Promille Blutalkohol. Das ist doch eine reine Schutzbehauptung!“

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Kränkung und Eifersucht waren wohl doch im Spiel: „Sie hat mir das Herz gebrochen. Aber ich wollte doch nicht, dass sie stirbt, unsere Kinder sind jetzt Waisen!“ Auf Frage des Richters musste der 38-Jährige jedoch zugeben, dass jemand schon daran sterben könne, wenn man dessen Kopf immer wieder so heftig auf den Boden schlägt, dass Nachbarn glauben, nebenan spielen Kinder Fußball.

Es dauerte gestern nur eine Stunde, bis die Geschworenen in der Tat einstimmig einen Mord erkannten. Nicht rechtskräftig ergingen 20 Jahre Haft. Mildernd waren Unbescholtenheit und eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit.