Letztes Update am Sa, 13.07.2019 07:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Mehr Technik: Fliegendes Auge für die Tiroler Polizei

Die Exekutive rüstet auf: Für die Überwachung aus der Luft stehen den Beamten Drohnen zur Verfügung, für die Überwachung von Radaubrüdern Bodycams. Die bisherigen Erfahrungen sind gut.

Für Lufteinsätze stehen den Beamten jetzt nicht nur Hubschrauber, sondern auch Drohnen zur Verfügung.

© Thomas BöhmFür Lufteinsätze stehen den Beamten jetzt nicht nur Hubschrauber, sondern auch Drohnen zur Verfügung.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Tiroler Polizei fliegt in die Luft: und das nicht wie bisher nur mit Hubschraubern, sondern jetzt auch mit Drohnen. „Zwei Stück der unbemannten Fluggeräte stehen bereits im Einsatz, fünf Beamte wurden zu Piloten ausgebildet“, verrät Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes, das die fliegenden „Hilfssheriffs“ verwaltet. 4000 Euro musste die Polizei pro Drohne lockermachen. In Anbetracht der Einsatzmöglichkeiten eine günstige Investition, meint Pupp. Die Fluggeräte können sich je nach Wind und Wetter 20 bis 35 Minuten in der Luft halten und bis 150 Meter über dem Boden kreisen. Eingesetzt werden die vier Kilo schweren Drohnen bei der Vermisstensuche, für Luftaufnahmen etwa von Unfällen, schutzwürdigen Gebäuden oder bei der Überwachung von Veranstaltungen. Die Fluggeräte können den Beamten auch einen Überblick bei Gewalttaten verschaffen.

Die Fluggeräte finden bei Suchaktionen, aber auch als „Kundschafter“ vor Festnahmen Verwendung.
Die Fluggeräte finden bei Suchaktionen, aber auch als „Kundschafter“ vor Festnahmen Verwendung.
- Thomas Böhm

Wie das geht, zeigt Pilot Ralf Lorbeg, der die Drohne minutenlang über dem teils bereits abgerissenen Seniorenheim in der Kaiserjägerstraße kreisen lässt. Auf den Bildschirm in der Polizeidirektion werden gestochen scharfe Bilder der Ruine aus allen Perspektiven übertragen. Beim Einsatz der Drohnen muss die Polizei allerdings zahlreiche Auflagen berücksichtigen. So ist der Großteil Innsbrucks eine Flugverbotszone, „wir benötigen für jeden Flug eine Genehmigung der Austro Control“, so Pupp. Weiters dürfen keine Personen überflogen werden, die Drohnen müssen sich stets in Sichtweite der Piloten befinden – Blindflüge verboten. „Die Piloten haben eine große Verantwortung, daher entscheiden sie, ob ein Einsatz durchführbar ist.“ Immerhin können die kleinen Flieger andere Luftfahrzeuge gefährden oder sogar zum Absturz bringen. „Bei unseren elf bisherigen Einsätzen ist aber nichts passiert“, sagt der LKA-Chef.

Die Drohnen sind aber nicht die einzige technische Neuerung bei der Polizei. Seit Mitte April stehen den 2300 Tiroler Beamten auch zwölf Bodycams zur Verfügung. Kameras also, die die Polizisten im Brustbereich an der Uniform tragen. Und die im Bedarfsfall Einsätze aufzeichnen. Ein Display ermöglicht, dass dem Beamten gegenüberstehende Personen die Aufnahmen sehen können. Und das kann Wunder wirken, Schimpftiraden beenden und Radaubrüder besänftigen. Geht der Radau trotz laufender Kamera weiter, „dienen die Aufnahmen als Beweismittel bei der Strafverfolgung“, sagt Enrico Leitgeb von der Einsatzabteilung. So führte erst kürzlich ein Bodycam-Video zu zehn Monaten Haft für einen bissigen 38-Jährigen.

Die Tiroler Polizei setzt jetzt auch Bodycams ein. Die Aufnahmen dienen auch als Beweismittel.
Die Tiroler Polizei setzt jetzt auch Bodycams ein. Die Aufnahmen dienen auch als Beweismittel.
- Thomas Böhm

Wenn bei einem Einsatz etwas schiefgeht, können die Kameras allerdings auch die Beamten in Bedrängnis bringen. „Die Aufnahmen können von den Polizisten nicht gelöscht werden. Nach Dienstende werden die Daten automatisch ins System eingespielt“, so Leitgeb.

Weniger Einbrecher, mehr Raser

Die Kriminalität stagnierte im ersten Halbjahr 2019 auf sehr niedrigem Niveau. Ohne detaillierte Zahlen zu nennen, verweist Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes, besonders auf die Entwicklung bei den Eigentumsdelikten: „Die Einbrüche in Gebäude und Wohnungen sind um 35 Prozent zurückgegangen.“ Sorgen bereitet dem erfahrenen Kriminalisten hingegen die Drogensituation. Das einst teure Kokain sei durch den Preisverfall mittlerweile eine Straßendroge. „Die Konzentration ist mit 70 bis 80 Prozent sehr hoch, das Suchtpotenzial enorm.“ Gekauft wird vor allem im Darknet. Apropos Darknet – die Internet-Kriminalität nimmt weiter zu. „Weil die Generation, die mit dem Netz aufgewachsen ist, jetzt das Alter erreicht, in dem die meisten Straftaten begangen werden.“

Neue Besen kehren gut. Und die vier mit Lasertechnologie renovierten „Radaranlagen“ der Verkehrspolizei messen gut. Und das in beide Fahrrichtungen, was zu einem deutlichen Anstieg der Geschwindigkeitsdelikte führte. „Wir haben heuer bereits um 40.000 Delikte mehr als im Vergleichszeitraum 2018“, sagt Markus Widmann, Leiter der Polizei-Verkehrsabteilung. Widmann schätzt, dass sich nach der Umrüstung der restlichen Radaranlagen im nächsten Jahr die Anzahl der erwischten Raser verdoppeln wird. Gestiegen ist bedauerlicherweise auch die Anzahl der Verkehrstoten: Heuer starben bereits 17 Menschen auf Tirols Straßen, im Vergleichszeitraum 2018 waren es zwölf. Die Anzahl der Verletzten ist hingegen um zehn Prozent zurückgegangen.

Die seit Anfang Dezember bestehende Waffenverbotszone in Innsbruck wurde um weitere drei Monate verlängert. Die Verbote in der Bogenmeile und am Hauptbahnhof haben vor allem eine präventive Wirkung. Lediglich sieben „Bewaffnete“ wurden erwischt und angezeigt.

Weiter im Sinkflug ist außerdem die Anzahl der aufgegriffenen Flüchtlinge. Lediglich 1750 Personen ohne Aufenthaltsbewilligung blieben heuer im Fahndungsnetz der Polizei hängen. Zum Vergleich: 2016 waren es 11.800, im Vorjahr über 5000. Und die kamen vorwiegend mit dem Zug. Mittlerweile reisen 70 Prozent auf der Straße ein. 905 illegal eingereiste Personen wurden in Deutschland aufgegriffen und der Tiroler Polizei übergeben, 96 nach Italien abgeschoben.