Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Tirol

Offensive gegen Glücksspiel: 109 Automaten den Stecker gezogen

Offensive gegen illegales Glücksspiel zeigte in Tirol Wirkung. So wurden 2018 insgesamt 30 Betriebe geschlossen und Verwaltungsstrafen über knapp 700.000 Euro verhängt.

Beschlagnahme: Die Begegnung mit der Finanzpolizei endet für einarmige Banditen meist schlecht.

© BMF/SchneiderBeschlagnahme: Die Begegnung mit der Finanzpolizei endet für einarmige Banditen meist schlecht.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – In Tirol werden seit geraumer Zeit nicht nur zweiarmige, sondern auch einarmige Banditen rigoros verfolgt. Weiter im Visier von Landesregierung, Polizei und Finanzpolizei befindet sich das illegale Glücksspiel, das nicht selten zur Verschuldung von Spielern und damit zusammenhängender Kriminalität führt. Systematische Kontrollmaßnahmen zeigten auch letztes Jahr wieder Wirkung, wie das Land Tirol gestern bei einer Jahresbilanz zum illegalen Glücksspiel aufzeigte.

Die für das Glücksspielwesen zuständige Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP) konnte die regelmäßigen Schwerpunktkontrollen in allen Tiroler Bezirken mit aussagekräftigen Zahlen untermauern. „Landesweit wurden 109 Glücksspielgeräte beschlagnahmt und 30 involvierte Betriebe geschlossen“, so LR Zoller-Frischauf. Nicht nur dies störte die Geschäftstätigkeit der Betreiber illegaler Glückspielautomaten wirksam. Hatten doch die darauf von den Behörden verhängten Verwaltungsstrafen insgesamt über 667.000 Euro betragen.

In Innsbruck kam es dabei zu besonders häufigen Kontrollen. Laut Land Tirol führt die Landeshauptstadt mit 14 Betriebsschließungen und 37 beschlagnahmten Glücksspielgeräten die Statistik nach Tiroler Bezirken an. Darauf folgt der Bezirk Schwaz mit acht Betriebsschließungen und 23 beschlagnahmten Glückspielgeräten, im Bezirk Kitzbühel wurden vier Betriebe geschlossen und 17 Geräte beschlagnahmt. Eine mittlerweile eingespielte Zusammenarbeit mehrerer Behörden sorgt für Ermittlungserfolge und Druck auf die Branche. So sind für die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels die Bezirksverwaltungsbehörden – in der Stadt Innsbruck die Landespolizeidirektion – zuständig. Die Kontrollen werden gemeinsam mit der Polizei und der Finanzpolizei durchgeführt.

„Vonseiten der Polizei wurden in jedem Bezirk mehrere Beamte zur Verstärkung der Kontrolltätigkeit besonders geschult. Damit sind wir dem Ziel einer landesweit einheitlichen und möglichst effektiven Kontrolltätigkeit einen großen Schritt näher gekommen“, erklärte LR Zoller-Frisch­auf gestern dazu.

Zudem hat das Land Tirol aufgrund der letztjährigen Erfahrungen das Korsett für die Betreiber in Hinterräumen von Lokalen, Clubs und Tankstellen noch einmal enger geschnürt. Mit der Neuerlassung des Landesgesetzes über die Tätigkeit der Wettunternehmer diesen Juli wurden nämlich nun auch die landesgesetzlichen Vorgaben nachgeschärft. „Wir haben die Erfahrungen aus dem Vollzug im Kampf gegen das Glücksspiel einfließen lassen, damit das illegale Glücksspiel keine Chance hat“, so die Landesrätin. Unter anderem wurde das Verbot von so genannten „Klingelbetrieben“ eingeführt. Wettlokale müssen nun immer frei zugänglich sein, das Öffnen für ausgewählte Kunden nach Betätigung einer Klingel ist nunmehr verboten. Außerdem wurden die Bestimmungen der EU-Geldwäscherichtlinie ebenso im Landesrecht umgesetzt.

Zoller-Frischauf wünscht sich dazu jedoch noch weitere Gesetzesverschärfungen auf Bundesebene: „Die Dauer einer Betriebsschließung sollte von einem auf drei Jahre verlängert und bereits beim Erstvergehen nicht mehr angedroht, sondern unmittelbar vollzogen werden. Auch eine Verkürzung der Entscheidungsfrist der Landesverwaltungsgerichte bei Betriebsschließungen von sechs auf zwei Monate ist notwendig.“

Auch die Branche hat mittlerweile aber auf die Verschärfungen reagiert. So lassen sich über Handy-Apps nunmehr auf TV-Bildschirmen Ersatz-Spieler als Glücksspiel-Handlanger dirigieren. Das Smartphone verdrängt klassische einarmige Banditen ohnehin immer häufiger. So befinden sich in einschlägigen Lokalen oft gar keine Automaten mehr – auf Anfrage wird vom Personal jedoch ein Benutzerkonto für eine Glücksspiel-Web­seite angelegt. Dazu natürlich auch gerne Guthabenbons. Schwer nachzuweisen, am Ende steht aber auch hier die Lokalschließung.