Letztes Update am So, 04.08.2019 23:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Ermittler stufen Blutbad von El Paso als inländischen Terrorismus ein

Die mexikanische Regierung erklärte nach dem Massaker in einem texanischen Einkaufszentrum US-Präsident Donald Trump kaum unverhüllt mitschuldig.

"El Paso ist eine Familie. Wir stehen vereint" steht auf diesem Schild vor dem Tatort in Texas.

© AFP"El Paso ist eine Familie. Wir stehen vereint" steht auf diesem Schild vor dem Tatort in Texas.



El Paso – Die Ermittler in den USA stufen das Massaker in einem Einkaufszentrum im texanischen El Paso mit 20 Toten als inländischen Terrorismus ein. Dies sagte John Bash von der Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag. Bezirksstaatsanwalt Jaime Esparza kündigte an, die Todesstrafe zu fordern. Die mexikanische Regierung machte indes eine kaum verhüllte Schuldzuweisung an US-Präsident Donald Trump.

Man erwäge, eine Anklage wegen Hassverbrechen gegen den Verdächtigen zu erheben, sagte Bash. Er kündigte ein entschlossenes Vorgehen der Behörden an. „Wir werden das tun, was wir mit Terroristen in diesem Land machen, wir werden für rasche und sichere Gerechtigkeit sorgen.“ US-Präsident Trump ordnete wegen des Massakers in El Paso und einer weiteren Bluttat in einer Bar in Dayton (Ohio) eine fünftägige Trauerbeflaggung für Regierungsgebäude an.

„Wir verurteilen diese hasserfüllten und feigen Taten“, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Die Nation trauere mit den Angehörigen der Opfer „und wir teilen den Schmerz und das Leid derjenigen, die bei diesen zwei sinnlosen Angriffen verletzt wurden“. Zuvor hatte Trump in Tweets die Polizeiarbeit bei den beiden Taten als „sehr schnell“ gelobt.

Hasserfüllte Rhetorik am Pranger

Die Zahl der mexikanischen Todesopfer ist auf sechs gestiegen. Sieben weitere seiner Landsleute seien verletzt worden, teilte Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador am Sonntag mit.

Die mexikanische Regierung verurteilte das Massaker scharf und kündigte rechtliche Maßnahmen zum Schutz von Mexikanern in den USA an. Vize-Außenminister Jesus Seade twitterte im Stile Trumps offenkundig an dessen Adresse: „Die moderne Welt kann solche Akte von AUSLÄNDERFEINDLICHER BARBAREI, die nicht in einem Vakuum passieren, nicht erlauben. STOPPT komplett jene RHETORIK, durch die sie angestachelt wird.“

Vor Seade hatten bereits führende Vertreter der US-Demokraten dem Präsidenten eine Mitverantwortung für die Tat gegeben. „Donald Trump ist verantwortlich dafür. Er ist verantwortlich, weil er Ängste, Hass und Engstirnigkeit schürt“, sagte etwa der Senator und Präsidentschaftskandidat Cory Booker am Sonntag im CNN.

Der 21-jährige Verdächtige soll 20 Menschen getötet und 26 weitere verletzt haben. Er soll aus der Stadt Allen nördlich von Texas stammen. Die Ermittler prüfen, ob er vor der Tat ein „Manifest“ verfasste, das im Internet gefunden wurde. Polizeichef Greg Allen sagte am Sonntag, es sehe mehr und mehr danach aus, dass der Mann es geschrieben habe. In dem Pamphlet heißt es unter anderem: „Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas.“ Auch Trump hatte im Zusammenhang mit den Flüchtlingsbewegungen aus Mittelamerika in Richtung der US-Grenze das Wort „Invasion“ verwendet.

Mit Gewehr in vollem Supermarkt geschossen

Nach Angaben der Polizei ging der erste Notruf zu der Tat um 10.39 Uhr Ortszeit (18.39 Uhr MESZ) ein. Sechs Minuten später sei die Polizei vor Ort gewesen, hieß es. Ein Polizeisprecher sagte, die meisten Opfer seien in einem Walmart in dem Ladenkomplex von Schüssen getroffen worden. Der Supermarkt sei zum Zeitpunkt des Angriffs voll gewesen. Der Sprecher schätzte, dass sich dort zwischen 1000 und 3000 Menschen aufhielten. Der Schütze habe bei der Tat ein Gewehr benutzt.

Bezirksstaatsanwalt Esparza sagte am Sonntag, auf Ebene des Bundesstaates werde man Anklage wegen Mordes gegen den Verdächtigen erheben, so dass die Todesstrafe infrage kommen könnte. Die Tat stehe nicht für das, was El Paso auszeichne. „Wir sind eine wirklich gute und liebevolle Gemeinschaft, wir werden ihn zur Verantwortung ziehen“, sagte Esparza.

Bei dem Täter des Blutbades von Dayton handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 24 Jahre alten Weißen. Sein Motiv ist noch unklar. Die Opfer waren 22 bis 57 Jahre alt. Sechs der Toten waren Afroamerikaner. Der Mann habe mit einer Langwaffe geschossen, sagte der leitende Polizeibeamte Matt Carper.

Schütze von Dayton trug schusssichere Weste

Nach Angaben von Bürgermeisterin Nan Whaley trug der Täter dunkle, schusssichere Schutzkleidung. Er habe eine Waffe mit vielen zusätzlichen Patronenmagazinen benutzt. Es sehe danach aus, dass er allein gehandelt habe, sagte Whaley.

Der Polizist Carper erklärte, das schnelle Eingreifen der Polizei habe Schlimmeres verhindert. „Wir hatten Beamte in der unmittelbaren Umgebung, als die Schüsse fielen. Wir konnten reagieren und das Ganze schnell beenden.“ Oregon District, das Ausgehviertel in Dayton, wo die Schüsse fielen, gelte eigentlich als sicher.

In den USA kommt es immer wieder vor, dass in Einkaufszentren, an anderen öffentlichen Orten oder auch in Schulen Menschen durch Schüsse getötet werden. Bemühungen um schärfere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil Trumps Republikaner dagegen sind. Die mächtige Waffenlobbyorganisation NRA bekämpft vehement jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren. Auch Trump ist dezidiert gegen eine Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz, das in der US-Verfassung verankert ist. (APA, dpa, Reuters)