Letztes Update am Mo, 05.08.2019 13:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vatikan

Fall Orlandi: Papst-Attentäter Agca schrieb an Franziskus

Der Fall Orlandi ist um eine Facette reicher. Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca schrieb dem Kirchenoberhaupt einen Brief, in dem er behauptet, die vermisste Emanuela sei am Leben und befinde sich in einem Kloster.

Auch Jahrzehnte später beschäftigt das Schicksal der damals 15-Jährigen viele Menschen.

© AFPAuch Jahrzehnte später beschäftigt das Schicksal der damals 15-Jährigen viele Menschen.



Vatikanstadt – Der türkische Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca hat sich im Fall der verschwundenen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi an Papst Franziskus gewandt. Die seit 36 Jahren vermisste Orlandi sei am Leben und befinde sich einem streng abgeschlossenen Kloster, schrieb Agca in einem Brief, dessen Wortlaut der Nachrichtenagentur Kathpress vorliegt.

Darin bezeichnet sich der 61-Jährige als „geistigen Bruder von Papst Johannes Paul II.“. Nähere Angaben zum Ort des Klosters oder zur Ordensgemeinschaft machte er nicht.

Verwicklung des Vatikans „Lüge“

Sämtliche Vorwürfe einer Verwicklung des Vatikan in eine Vergewaltigung und Ermordung der damals 15 Jahre alten Schülerin seien „Lügen, die das weltweite Ansehen der katholischen Kirche furchtbar beschmutzen“, schrieb Agca. „Der Vatikan hat die moralische Pflicht, alles für die Rückkehr Emanuelas zu ihrer Familie im Vatikan zu tun.“ Auch wenn Franziskus anfangs über die „Verschwörung“ um Orlandi in Unkenntnis gewesen sei, besitze er jetzt „alle Macht, um die Freilassung von Emanuela Orlandi kategorisch anzuordnen“, so Agca.

Das Verschwinden Emanuela Orlandis, der Tochter eines Vatikanangestellten, im Jahr 1983 zählt zu den bekanntesten ungelösten Kriminalfällen Italiens. Einer Spekulation zufolge handelte es sich um eine Entführung mit dem Ziel, den damals wegen eines Attentats auf Johannes Paul II. inhaftierten Agca freizupressen.

Ermittlungen bisher ergebnislos

Vergangenen Juli führten Gerichtsmediziner Nachforschungen auf dem Friedhof des deutschen Priesterkollegs Campo Santo Teutonico im Vatikan durch, nachdem die Familie Orlandi nach eigenen Angaben Hinweise auf den Verbleib Emanuelas erhalten hatte. Die Ermittlungen verliefen ergebnislos.

Papst-Attentäter Agca erklärte parallel zu den von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleiteten Gräberöffnungen auf dem Campo Santo über seinen Anwalt, Emanuela lebe; es handle sich um eine vom US-Geheimdienst CIA konzertierte internationale Verschwörung. Emanuelas Bruder Pietro Orlandi äußerte starke Zweifel an dieser Version. Agca suche lediglich mediale Aufmerksamkeit, sagte Orlandi Ende Juli. (APA)

Auf der Suche nach den Überresten Orlandis waren am 11. Juli die Gräber von zwei deutschen Prinzessinnen geöffnet worden.
Auf der Suche nach den Überresten Orlandis waren am 11. Juli die Gräber von zwei deutschen Prinzessinnen geöffnet worden.
- APA/AFP/VATICAN MEDIA