Letztes Update am Mi, 07.08.2019 07:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

7200 € Geldstrafe: Großes Waffenarsenal kam Zillertaler teuer

Zwei Bayern wurden mit einer illegal erworbenen Waffe erwischt. Die Spur führte die Polizei ins Zillertal: Ein 68-Jähriger hatte ein ganzes Waffenarsenal in seinem Haus gelagert.

Die Polizei stellte über 100 Waffen sicher.

© PolizeiDie Polizei stellte über 100 Waffen sicher.



Innsbruck – Letzten Herbst herrschte Alarmstimmung beim bayerischen Landeskriminalamt. Waren doch zwei Personen mit einer gerade erworbenen Maschinenpistole samt Munition aufgeflogen. Die Spuren zum vermeintlichen „Waffenhändler“ führten nach Tirol, genauer ins Zillertal. Dort stürmten dann Beamte mit Unterstützung der Cobra und Spürhunden das Haus eines 68-Jährigen und stießen in der Tat auf ein Waffenarsenal ungeahnter Größe. Um die 100 Schusswaffen, vom Panzerabwehrrohr über Mehrladerrepetiergewehre mit Scheinwerfer, schießende Kugelschreiber bis hin zum Spazierstock mit Stilett, fanden sich in ländlicher Idylle.

Schon dieser bizarre Mix von Fundstücken deutete aber eher auf einen Sammler als auf einen Waffenschieber hin. Auch zusammengetragene NS-Devotionalien waren sichergestellt worden, das Ermittlungsverfahren wegen Wiederbetätigung aber bereits eingestellt.

Gestern am Landesgericht beteuerte der nach dem Waffengesetz Angeklagte, dass er mit seiner früheren Leidenschaft abgeschlossen habe: „Über 50 Jahre habe ich das halt alles zusammengetragen. Über die rechtliche Situation oder Waffenbesitzkarten hab’ ich ja niemals nachgedacht!“ Auch der Verteidiger bekräftigte, dass sein über 68 Jahre unbescholtener Mandant auf dem Gebiet der Waffen „eben die Realität und Legalität aus den Augen verloren“ habe.

In die Realität zurück holte Richter Norbert Hofer den 68-Jährigen mit der Sanktion. Aufgrund jahrzehntelanger Unbescholtenheit und Mithilfe zur Tataufklärung schloss er eine Haftstrafe trotz Verkaufs einer funktionierenden Maschinenpistole für 3000 Euro aus. Schon aus generalpräventiven Gründen ergingen 7200 Euro Geldstrafe aber unbedingt. Dazu kommen Gebühren und der Verfall der 3000 Euro aus dem Waffenverkauf an die Republik. Richter Hofer: „Sie haben Kriegsmaterial in fremde Hände gegeben, aber nun sicher auch ihre Lektion gelernt!“ (fell)

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