Letztes Update am Mi, 14.08.2019 13:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Berlin

Echte Utensilien und Einsätze: Falsche Polizistin belastet Berliner Behörde

Sie ist polizeibekannt und kann dennoch lange Zeit weitestgehend unbehelligt auf Streife gehen. Eine 22-Jährige wird in Berlin als falsche Polizistin enttarnt. Gegen sie wird nun - erneut - ermittelt. Der Fall wirft ein schlechtes Licht auf die echten Beamten der Hauptstadt.

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Berlin – Eine falsche Polizistin hat in Berlin offenbar jahrelang immer wieder die echte Polizei beschäftigt. Nach eigenen Angaben nahm die junge Frau in einer weitgehend echten Uniform auch an tatsächlichen Polizeieinsätzen teil. Sie gab an, gemeinsam mit Polizisten nach einer Massenschlägerei Personalien aufgenommen und Leute festgehalten zu haben. Auch in Polizeiwagen sei sie mitgefahren. Viele Polizisten würden sie schon kennen. Die Frau fiel mehrfach auf und wurde auch verurteilt. Trotzdem machte sie weiter.

Drogen gefunden

Zuletzt wurde die 22-Jährige von Zivilpolizisten am 1. August festgenommen. Gegen 16 Uhr hatten sie zwei Polizeibeamte in Zivil auf der Prinzenallee entdeckt. Es kam ihnen komisch vor, dass die vermeintliche Kollegin trotz der hohen Temperaturen ihre komplette Dienstkleidung trug, berichtet die Berliner Morgenpost. Die Einsatzkräfte nahmen die Transperson, die als Mann zur Welt kam und nun als Frau lebt, fest und brachten sie zu einer Polizeidienststelle.

Dort fanden sie bei der 22-Jährigen Drogen in einer ihrer Taschen. Ihre Uniform- und Ausrüstungsgegenstände beschlagnahmten die Beamten. Bei der anschließenden Durchsuchung ihrer Wohnung fanden eingesetzte Polizisten weitere Uniform- und Ausrüstungsteile. Gegen die Frau, die derzeit auf freiem Fuß ist, wird nun wegen Amtsanmaßung, Verstoßes gegen das Waffengesetz und das Betäubungsmittelgesetz ermittelt.

„Ich habe nichts Schlechtes im Sinn“

Wie die Morgenpost weiter schreibt, bezieht die 22-Jährige nach eigenen Angaben ihre Dienstkleidung sowie Ausrüstungsgegenstände wie Handschellen, Schlagstock und Hoheitsabzeichen von echten Polizisten und investierte dafür bereits mehrere Tausend Euro. Die Gegenstände seien auf dem Markt nicht frei verkäuflich, was ein schlechtes Licht auf die Berliner Polizei als solche werfe.

Die Transperson stehe zudem unter präventiver Beobachtung des Landeskriminalamtes, weil sie für dreieinhalb Jahre wegen sexueller Nötigung im Gefängnis gesessen haben soll. Das sei auch der Grund, warum sie nicht regulär als Polizistin arbeiten könne, so die Beschuldigte im Gespräch mit der Zeitung. „Ich habe nichts Schlechtes im Sinn. Ich will Menschen doch nur helfen.“ Nun kündigte sie in Medien an, sie werde künftig nicht mehr als falsche Polizistin durch Berlin laufen oder fahren. (dpa)