Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Tirol

Hohe Dunkelziffer bei illegalen Pilzsammlern in Tirol

Dass die Pilzsaison ihren Höhepunkt erreicht hat, zeigen nicht zuletzt die jüngsten Fälle von dreisten Pilzsammlern in den heimischen Wäldern.

Maximal zwei Kilogramm Pilze pro Tag und Person dürfen in Tirols Wäldern gesammelt werden.

© dpa/PleulMaximal zwei Kilogramm Pilze pro Tag und Person dürfen in Tirols Wäldern gesammelt werden.



Von Nikolaus Paumgartten

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Innsbruck – Zuerst war es zu kalt, dann war es zu trocken. „Aber jetzt sind die Voraussetzungen ideal und wir sind mitten in der Hochsaison für Steinpilze“, weiß Tirols oberste Bergwächterin, Landesleiterin Gabriele Pfurtscheller. Für sie und ihr Team heißt es damit, vor allem in den grenznahen Regionen Richtung Süden besonders aufmerksam zu sein.

Denn wie bereits die vergangenen Tage gezeigt haben, sind es in erster Linie Sammler aus Italien, die in den heimischen Wäldern große Mengen Pilze in ihre Körbe wandern lassen und die höchstzulässige Menge von zwei Kilo pro Tag und Person oft bei Weitem nicht einhalten. Die großen Übertretungen seien heuer ausschließlich von italienischen Staatsbürgern begangen worden, weiß die Landesleiterin. Fälle wie zuletzt in Serfaus, wo ein Trio 186 Kilo Pilze gesammelt hatte, seien zwar ein extremer Ausreißer, am Mittwoch wurden aber beispielsweise im Wipptal bei zwei Italienern 35 Kilogramm sichergestellt, vergangenen Sonntag waren es 40 Kilo in Pfunds. Das summiere sich dann bis zum Ende der Saison Anfang Oktober. „Darüber hinaus gibt es eine hohe Dunkelziffer“, sagt Pfurtscheller. Die Tiroler Bergwacht sei zwar sehr bemüht, möglichst intensiv zu kontrollieren, sie könne aber von ihren freiwilligen Mitarbeitern nicht verlangen, dass diese während der Pilzsaison in ihrer Freizeit im Dauereinsatz sind.

Was die teilweise hochprofessionellen Pilzsammler antreibt, sind die Preise von bis zu 70 Euro pro Kilo, die sie in Italien beispielsweise für Steinpilze gezahlt bekommen. Durch den Wald arbeiten sich Sammler mit GPS und Markierungen. Die Ware wird meist noch in Tirol gereinigt, vakuumiert bzw. tiefgefroren und schließlich über die Grenze gebracht. „Und in Italien essen wir dann das Pilzrisotto mit unseren Steinpilzen“, sagt Pfurtscheller. Ob strengere Strafen die dreisten Pilzsammler abschrecken würden, will sie nicht beurteilen – aktuell ist zwar theoretisch ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro möglich, die Strafen fallen meist jedoch deutlich milder, maximal im Bereich einiger hundert Euro, aus.

„Wer verdächtige Beobachtungen im Wald macht, soll diese bitte an uns oder die Polizei melden.“
Gabriele Pfurtscheller
 (Landesleiterin Bergwacht)
„Wer verdächtige Beobachtungen im Wald macht, soll diese bitte an uns oder die Polizei melden.“ Gabriele Pfurtscheller
 (Landesleiterin Bergwacht)
- Bergwacht

Erleichtern würde die Arbeit der Bergwacht, wenn sie wieder Organstrafmandate verhängen dürfte, denn das ist seit einer Änderung im Sicherheitspolizeigesetz aktuell nicht möglich, sagt die Landesleiterin. Sie appelliert außerdem an die Bevölkerung um Mithilfe: „Wer verdächtige Beobachtungen macht, soll diese an uns oder die Polizei melden.“