Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Tirol

Schmuckhändler sollen Überfall auf B189 bei Nassereith fingiert haben

Die falschen Polizisten sollen bei dem „Überfall“ Bargeld und Goldbarren erbeutet haben (Symbolbild).

© Zollstelle LandeckDie falschen Polizisten sollen bei dem „Überfall“ Bargeld und Goldbarren erbeutet haben (Symbolbild).



Es klang damals wie ein spektakulärer Coup aus einem Hollywood-Blockbuster. Im Zentrum der Handlung: zwei falsche Polizisten, zwei Schmuckhändler und eine nächtliche „Verkehrskontrolle" auf der B189 bei Nassereith, die sich schließlich als Raub entpuppte. Wie sich mittlerweile allerdings herausgestellt hat, dürfte der Überfall auf die beiden Deutschen so gar nie stattgefunden haben, sondern von diesen selbst inszeniert worden sein.

Es war in der Nacht auf den 11. Juni 2018, als gegen 1.30 Uhr angeblich eine „Zivilstreife" das Auto der beiden Deutschen anhielt. Die „Beamten" nebelten die Schmuckhändler sogleich mit Pfefferspray ein, fesselten sie und hielten ihre „Opfer" mit Elektroschockern in Schach. Mit deren weltvoller Fracht, 400.000 Euro in bar und Goldbarren für eine halbe Million Euro, machten sich die „Täter" aus dem Staub. Zumindest gaben das damals die beiden Geschäftsleute, 35 und 37 Jahre alt, gegenüber der Polizei an. Sie lieferten außerdem eine genaue Beschreibung der angeblichen Täter.

Im Zuge der Ermittlungen hatte sich in den vergangenen Monaten jedoch der Verdacht erhärtet, dass der Überfall nur fingiert worden sein könnte, bestätigte Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, gestern einen Bericht der ORF Tirol. Weil die beiden einstigen angeblichen Opfer, die nun als mutmaßliche Täter geführt werden, in Duisburg leben, habe man die Kollegen in Deutschland um Übernahme der Strafverfolgung ersucht.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg bestätigte gestern gegenüber der TT, dass dies am 3. August formell geschehen sei und die Ermittlungen gegen insgesamt drei Personen noch andauern. Prozesstermin gebe es noch keinen, es gehe aber um den Verdacht des Vortäuschens einer Straftat. (np)