Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.09.2019


Tirol

Hund verendet: Jerzener Fallensteller soll Jagdkarte entzogen werden

Gegen den Jäger, in dessen “Totfangfalle“ ein Hund vor den Augen seines Frauchens qualvoll verendete, wird wegen Tierquälerei ermittelt. Auch der Jägerverband zieht Konsequenzen.

Der Jagdhund hatte wohl den Fallenköder gewittert. (Symbolfoto)

© iStockphotoDer Jagdhund hatte wohl den Fallenköder gewittert. (Symbolfoto)



Jerzens, Innsbruck – Ermittlungen wegen Tierquälerei wurden von der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen einen Jäger aus dem Pitztal bereits eingeleitet. In einer von ihm aufgestellten illegalen Totfangfalle verendete, wie berichtet, ein Hund. Nachdem die behördlichen Verfahren abgeschlossen sind, will auch der Tiroler Jägerverband Maßnahmen ergreifen. „Der Disziplinaranwalt ist bereits informiert“, sagt Landesjägermeister Anton Larcher. „Das Verfahren wird, da bin ich mir sicher, mit dem Entzug der Jagdkarte enden.“

Vergangenen Freitag musste eine 59-Jährige in Jerzens mitansehen, wie sich ihr Hannoverscher Schweißhund mit dem Kopf in einer „Conibear-Totfangfalle“ verfing. Rettungsversuche der Frau waren vergeblich. Bei der Polizei gab der Jagdpächter an, dass er die Falle aufstellte, weil er damit einen Fuchs fangen wollte.

Für Landesjägermeister Larcher ist „absolut unverständlich“, wieso, und er ist „schockiert darüber, dass heutzutage noch jemand so etwas verwendet“. Totschlagfallen seien in Tirol bereits seit rund 30 Jahren verboten. Erlaubt seien nur Lebendfallen, die, wenn sie aufgestellt werden, zweimal am Tag kontrolliert werden müssen. „Die Verwendung von Fallen ist in Tirol aber nicht üblich. Sie werden nur dann angewandt, wenn Tiere in bewohntem Gebiet gejagt werden müssen – etwa wenn ein Fuchs einem Hühnerstall nachstellt oder ein Marder ständig die Schläuche bei Autos durchbeißt.“

Die Fallenjagd im Allgemeinen verurteilt die Tierschutzorganisation WWF. „Der Vorfall in Jerzens zeigt, dass die Fallenjagd wegen fehlender Selektivität und hohen Risikos der Tierquälerei keine geeignete Methode ist“, betont WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. Für die Fallenjagd bestehe aus seiner Sicht keine jagdliche Notwendigkeit, da die zumeist betroffenen Arten aus ökologischer Sicht keine Bestandsregulierung durch den Menschen benötigen. Gleichzeitig birgt die Fallenjagd ein hohes Risiko für ungewollte Verluste. Nicht nur Haustiere wie Hunde und Katzen sind davon betroffen, sondern auch Fischotter, Biber, Wildkatzen, Uhus und diverse Greifvögel. (bfk)

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