Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.09.2019


Innsbruck-Land

Schuss auf Umzugswagen war für Gericht grob fahrlässig

1800 Euro Geldstrafe bekam ein Unterländer für einen Platzpatronenunfall mit neun Verletzten auf Volderer Regionsumzug. Die Verletzungsfolgen dauern bis heute an.

Ein Bärentreiber hatte mit der geliehenen Schrotflinte den hölzernen Aufbau eines gerade vorbeifahrenden Umzugswagens getroffen.

© zeitungsfoto.atEin Bärentreiber hatte mit der geliehenen Schrotflinte den hölzernen Aufbau eines gerade vorbeifahrenden Umzugswagens getroffen.



Von Reinhard Fellner

Volders, Hall – Der heurige Regionsumzug in Volders wird Fasnachtsfreunden aus der Umgebung noch lange in Erinnerung bleiben. Hatte sich damals im Jänner ein 38-Jähriger doch von einem anwesenden Traditionsschützen eine Schrotflinte ausgeborgt, um damit einen Probeschuss in die Luft abzugeben. Dies war dem Alkoholisierten jedoch gründlich misslungen. Gerade als ein Umzugswagen am 38-Jährigen vorbeifuhr, löste sich nämlich aus dem Gewehr ein Schuss. Die Platzpatrone durchschlug daraufhin die Holzwand des Wagens. Nach einem lauten Knall flogen Splitter durchs Innere – neun Verletzte waren die Folge.

Da er so einen Unfall nicht vorhersehen habe können (der 38-Jährige ist mit Brauchtumswaffen vertraut), wurde das Ermittlungsverfahren gegen den Eigentümer des Gewehrs im Sommer eingestellt.

Die Waffe, aus der die Platzpatrone gefeuert worden war, wurde sichergestellt.
Die Waffe, aus der die Platzpatrone gefeuert worden war, wurde sichergestellt.
- zeitungsfoto.at

Der Schütze wurde indes wegen grob fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit angeklagt. Am Haller Bezirksgericht trafen sich nun die Unfallbeteiligten noch einmal wieder. Vor Richterin Katharina Plattner beteuerte der Angeklagte, dass er den Schuss auf den besetzten Umzugswagen keinesfalls absichtlich abgefeuert habe. Vielmehr habe er wie vereinbart in die Luft schießen wollen – zuvor sei ihm jedoch die Waffe losgegangen.

Auch wenn neun Verletzte die Folge waren, schlossen sich letztlich nur drei von ihnen dem Prozess mit einer Schadenersatzforderung an.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Trotzdem verurteilte die Richterin den Unterländer anklagegemäß: „Das Verhalten war grob fahrlässig. Mehrere Personen wurden verletzt und Sie hätten damit rechnen müssen, dass Ihr Verhalten unter Alkoholeinfluss auf einem Faschingsumzug für die Besucher gefährlich sein kann.“ Richterin Plattner schloss deshalb eine Diversion aus spezial- und generalpräventiven Gründen aus. Eine bereits rechtskräftige Geldstrafe von 1800 Euro folgte. Unbescholtenheit und Geständnis wirkten mildernd.

Weitere Schadenersatzansprüche werden jedoch folgen. Rechtsanwalt Martin Wolf vertritt einen der Verletzten. „Bis heute hat er etliche Splitter im Gesicht“, so RA Wolf. Vorab bekam das Schussopfer 400 Euro zugesprochen.