Letztes Update am Fr, 04.10.2019 20:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankreich

Anti-Terror-Ermittlungen nach tödlicher Messerattacke in Paris

Mit einem Messer greift ein Mitarbeiter der Polizei seine Kollegen im Pariser Polizeipräsidium an - vier von ihnen sterben. Noch ist das Motiv des Täters unklar. Doch jetzt übernehmen Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen.

Die Pariser Polizeipräfektur wurde zum Tatort.

© AFPDie Pariser Polizeipräfektur wurde zum Tatort.



Paris – Nach der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier haben Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft. Nach Angaben aus Justizkreisen wird nun wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtspersonen in Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung ermittelt. Bei dem Messerangriff hatte ein 45-jähriger Mitarbeiter des Polizeipräsidiums am Donnerstag vier Kollegen erstochen, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.

Zuvor hatte Polizeipräsident Didier Lallement gesagt, man schließe zum jetzigen Zeitpunkt keine Hypothese aus. Berichten zufolge war der 45-jährige Angreifer 2017 zum Islam konvertiert. Das heizte Spekulationen darüber an, die Tat könnte einen terroristischen Hintergrund haben. Am Morgen hatte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye noch erklärt, dass es bisher keine Hinweise auf eine Radikalisierung des Angreifers gebe.

Der Mitarbeiter des Polizeihauptquartiers im Herzen von Paris hatte am Donnerstag vier Menschen mit einem Messer getötet. Bei den Opfern handelt es sich um drei Männer und eine Frau. Der Angreifer wurde erschossen. Medien hatten darüber berichtet, dass der Hintergrund der Tat ein interner Konflikt innerhalb der Polizeibehörde gewesen sein könnte. „Nur weil Sie ein Muslim sind, bedeutet das nicht, dass Sie ein Terrorist sind“, hatte Regierungssprecherin Ndiaye betont.

Der in dieser Form beispiellose Fall löste in Frankreich Entsetzen und Trauer aus. Die Polizeipräfektur sei mit dem Angriff so schwer wie nie zuvor getroffen worden, sagte Lallement. Am Vormittag versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Hauptquartier auf der Seine-Insel Île de la Cité zu einer Schweigeminute. Dort wurde auch ein Kondolenzbuch aufgestellt.

Angreifer galt als vorbildlicher Beamter

Der 45-Jährige war Berichten zufolge in der als sensibel geltenden Abteilung „Direction de renseignement“ der Polizeibehörde eingesetzt - in dieser Abteilung geht es unter anderem um den Kampf gegen Terrorbedrohungen. Er sei ein Informatiker gewesen und habe seit 2003 bei der Polizei gearbeitet, sagte Lallement. Ein Polizei-Gewerkschafter beschrieb ihn als vorbildlichen Beamten, der von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sei.

Die Tat ereignete sich laut Innenminister Christophe Castaner am Donnerstag zwischen 12.30 und 13.00 Uhr. Er sprach von einem „mörderischen Lauf“. Der mutmaßliche Täter habe ein Keramikmesser benutzt, berichtete der Sender BFMTV. Ein junger Kollege, der erst seit wenigen Tagen im Polizeihauptquartier arbeitet, habe den Angreifer gestoppt, sagte Polizeipräsident Lallement. Er betonte außerdem, dass die Sicherheitsbedingungen in dem Gebäude ausreichend streng seien und nicht infrage gestellt würden.

Nach dem Angriff waren am Donnerstagnachmittag große Teile der Île de la Cité abgesperrt. Viele Brücken über die Seine auf die Insel waren geschlossen und wurden von schwer bewaffneten Polizisten gesichert. Anwohner kamen nicht in ihre Wohnungen. Touristen, die Sehenswürdigkeiten wie die Notre-Dame-Kathedrale auf der Insel besuchen wollten, zeigten sich irritiert. Viele hatten gar nicht mitbekommen, was passiert war. (APA/dpa/AFP)