Letztes Update am Fr, 04.10.2019 17:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frau und Baby gestorben

Apotheken-Drama in Köln: Ermittler finden erneut Giftspuren in Arznei

Nach dem Tod einer Frau und ihres Babys durch eine toxische Substanz in einem Glukosemittel werden weitere Kunden einer Kölner Apotheke aufgerufen, die Arznei abzugeben. Und die Ermittler werden fündig: Erneut werden Spuren der Substanz nachgewiesen.

Frühestens in der nächsten Woche will das Kölner Verwaltungsgericht entscheiden, ob die betroffenen Apotheken wieder geöffnet werden.

© dpaFrühestens in der nächsten Woche will das Kölner Verwaltungsgericht entscheiden, ob die betroffenen Apotheken wieder geöffnet werden.



Köln – Im Fall der vergifteten Glukose aus einer Kölner Apotheke mit zwei Toten haben die Ermittler in einem Tütchen einer weiteren Patientin Spuren der toxischen Substanz festgestellt. Dabei handele es sich nur um sehr geringe Spuren, „die bei einer Einnahme offenbar nicht gesundheitsschädigend gewesen wären“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln auf Anfrage.

Die Patientin hatte das Tütchen nach einem Aufruf der Behörden abgegeben. Der Inhalt war dann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln untersucht worden. Weitere Personen hätten sich auf den Aufruf nicht gemeldet. Um welche toxische Substanz es sich in dem Glukosemittel beziehungsweise Tütchen genau handelt, wollen die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht sagen. Im Gesundheitsausschuss des Landtags erklärten Vertreter des Gesundheitsministeriums, die giftige Substanz müsse in der Apotheke in die Glukosetüten gelangt sein. Die Lieferkette könne ausgeschlossen werden.

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Derzeit würden Beweismittel ausgewertet und Zeugen vernommen. „Konkrete Hinweise darauf, dass in der betreffenden Apotheke gelagerte Glukose in anderen Apotheken verkauft worden wäre, liegen – jedenfalls derzeit – nicht vor“, heißt es von der Behörde.

Eine schwangere Frau und ihr mit einem Notkaiserschnitt geborenes Baby waren am 19. September an Organversagen gestorben. Zuvor hatte die 28-Jährige eine Glukose-Mischung aus der Kölner Apotheke zu sich genommen. Das Präparat war Teil eines Routinetests auf Diabetes in der Schwangerschaft. Erst einige Tage später wurde die Öffentlichkeit informiert und der betroffenen Apotheke untersagt, Medikamente abzufüllen oder selbst zu mischen.

Apothekenbetreiber klagt gegen Schließung

Am 26. September ordneten Land und Bezirksregierung dann die Schließung der Apotheke und zweier weiterer des gleichen Verbundes an. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann von der CDU räumte im Ausschuss ein, dass man „einen Tag schneller“ über die Schließung hätte entscheiden können. Es hätten aber zuvor viele Beteiligte angehört werden müssen. Die drei Kölner Apotheken bleiben vorerst geschlossen. „Wir prüfen jeden Tag, ob es eine neue Lage gibt“, sagte Laumann. So lange Vorsatz bei der Vergiftung der Glukose-Mischungen nicht ausgeschlossen werden könne, habe der Patienten- und Gesundheitsschutz „absoluten Vorrang“.

Der betroffene Apothekenbetreiber hat auf Wiedereröffnung geklagt und eine einstweilige Verfügung gegen die Stadt beantragt. Das Kölner Verwaltungsgericht will nach Angaben einer Sprecherin frühestens nächste Woche darüber entscheiden. Zuvor hatte der „Express“ über den Gerichtsantrag und das Analyseergebnis zu dem abgegebenen Tütchen berichtet.

Nach Worten Laumanns geht es auch um das Vertrauen in das Gesundheitssystem und in die Medikamentensicherheit. Das von den Beitragszahlern finanzierte System müsse halten, was es verspreche. Das Vertrauen sei nach dem Bottroper Apothekenskandal „schon erschüttert genug“. In dem Bottroper Medizinskandal soll ein Apotheker Tausende Krebsmedikamente gestreckt und sich so um einen zweistelligen Millionenbetrag bereichert haben. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.




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