Letztes Update am Do, 24.10.2019 16:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Fünf Verwandte verbrannt: Bub (9) für Mord an Familie angeklagt

Während seine Familie schläft, zündet ein Neunjähriger in den USA offenbar absichtlich den gemeinsamen Wohnwagen an. Fünf Familienmitglieder sterben in den Flammen. Nun muss sich der Bub vor Gericht verantworten. Seine Mutter verteidigt ihn: Der Neunjährige sei kein „Monster“.

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© dpa(Symbolbild)



Chicago – Weil er sein Zuhause anzündete und damit fünf seiner Familienmitglieder tötete, ist ein neunjähriger Junge aus den USA wegen Mordes angeklagt. Die Behörden im US-Bundesstaat Illinois gehen davon aus, dass er den Brand absichtlich entfachte und so seine zwei jüngeren Geschwister, seine Großmutter, seinen Stiefvater und seine Cousine tötete.

Sie hatten Berichten von CBS News zufolge im April gerade in dem Wohnwagen geschlafen, als das Feuer ausbrach. Die Familie lebte in dem Trailer. Dass es sich dabei um einen Unfall handelte, schließen die Ermittler inzwischen aus. Während die Mutter sich noch aus dem brennenden Wagen nach draußen retten konnte, entkamen die restlichen Familienmitglieder den Flammen nicht mehr.

Neunjähriger ging weinend aus Gerichtssaal

„Ich stand am Fenster und sagte meinen Kindern, dass es mir leid tut, dass ich sie nicht retten konnte“, sagte sie CBS News kurz nach dem Brand. „Ich weiß nicht was schlimmer war – die Schreie zu hören, oder als die Schreie aufhörten.“ Die Kinder waren im Alter zwischen ein und zwei Jahren.

Bei der Verlesung der Anklage vor einem Gericht in Eureka schluchzte der Neunjährige – und musste angesichts seines jungen Alters immer wieder nachfragen, weil er verschiedene Begriffe nicht verstand. Er verließ das Gericht schließlich weinend. Es sei eine „schwere Entscheidung“ gewesen, jemanden so junges anzuklagen, sagte der Ankläger Metro UK. „Es ist eine Tragödie, aber am Ende des Tages klagen wir eine sehr junge Person an wegen einem der schlimmsten Verbrechen, die es gibt.“ Weil er noch ein Kind ist, werde der Bub vermutlich aber nur eine Bewährungsstrafe bekommen.

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Mutter: „Menschen machen Fehler“

Die Mutter des Neunjährigen wird zur Zeit im Krankenhaus behandelt und kann keine Aussage machen. Kurz nach der Tat hatte sie sich aber dagegen gewehrt, dass ihr Sohn als Monster dargestellt wurde. „Jeder schaut ihn an als wäre er eine Art Monster, aber das ist er nicht“, sagte sie CBS News. „Menschen machen Fehler, und das war ein Fehler. Ja, es war eine schreckliche Tragödie, aber es ist nichts, um deswegen sein Leben wegzuschmeißen.“ Ihren Angaben zufolge waren bei ihrem Sohn eine Form von Schizophrenie, eine bipolare Störung und ADHS diagnostiziert worden. (TT.com)