Letztes Update am Fr, 25.10.2019 13:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

Geschlechtsverkehr im Pflegeheim: Stiefvater in Wien vor Gericht

Ein 63-Jähriger soll sich an seiner wehrlosen Stieftochter, die in einem Pflegeheim untergebracht ist, vergangen haben. Er behauptet, er habe ihr nur Gutes tun wollen und habe mit ihrem Einverständnis gehandelt.

Symbolfoto.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Wien – Weil er seit November 2018 seine in einem Pflegeheim untergebrachte Stieftochter wiederholt sexuell missbraucht haben soll, stand ein 63-jähriger Mann am Freitag vor dem Wiener Landesgericht. Der weitere Prozess wurde auf 5. Dezember vertagt, weil der Schöffensenat noch die ärztliche Leitung des Heims zeugenschaftlich befragen will.

Der Angeklagte – von Beruf Heilmasseur – behauptete am Freitag, er habe mit Zustimmung der Patientin gehandelt und ihr nur Gutes tun wollen: „Mein Ziel war es, ihre Lebensqualität zu verbessern.“

Die Betroffene leidet an einer besonders aggressiven Form von multipler Sklerose. Seit fünf Jahren befindet sich die 47-Jährige in einem Pflegeheim und muss rund um die Uhr betreut werden. Sie kann sich nicht mehr selbstständig bewegen und grundsätzlich nicht mehr mit Worten mit der Umwelt kommunizieren. Der Stiefvater besuchte die Frau jeden Freitag. Er habe als ausgebildeter Masseur beschlossen, „in ihre Behandlung einzugreifen“, erklärte er einem Schöffensenat (Vorsitz: Olivia-Nina Frigo).

„Ich hab‘ mich verliebt in sie“

Er habe zunächst damit begonnen, ihre Arme und Beine zu bewegen: „Das hat ihre Spasmen aufgelöst. Sie hat sich entspannt.“ Im Lauf der Behandlungen habe sich dann „eine Gefühlsbeziehung aufgebaut“. Die Stieftochter habe „Zärtlichkeit, Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe“ gesucht: „Ich hab‘ mich verliebt in sie. Das hab‘ ich echt nicht erwartet.“

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Schließlich habe er die 47-Jährige gefragt, ob sie mit ihm schlafen wolle, gab der Angeklagte – er ist in zweiter Ehe verheiratet – zu Protokoll. Das habe sie über Augenkontakt bejaht: „Wenn sie Vertrauen hat und wach ist, kann man mit ihr kommunizieren.“ Hinsichtlich des Geschlechtsverkehrs sei von ihrer Seite „immer ein Ja gekommen. Wenn sie nicht gewollt hätte, hätte man ihr die Beine brechen müssen“.

Pflegepersonal installierte Kameria in Zimmer des Opfers

Während die Staatsanwaltschaft dem Mann sexuellen Missbrauch einer wehrlosen Person vorwirft, hat der Angeklagte für Verteidigerin Julia Kolda „ein Bedürfnis nach Lust und körperlich Angenehmem“ befriedigt. „Wir wollen körperlich beeinträchtigten Menschen die Sexualität nicht absprechen.“

Die Sache flog auf, weil das Pflegepersonal mit der Zeit einen Verdacht in Richtung sexueller Übergriffe schöpfte. Schließlich wurde im Zimmer der Patientin heimlich eine Kamera installiert. Am 12. Juli 2019 wurde der 63-Jährige bei 40-minütigem Sex mit der Patientin gefilmt. Die Heimleitung erstattete nach Ansicht des Materials Anzeige, der Stiefvater wanderte in U-Haft. (APA)