Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.12.2014


Innsbruck

Anzeigen-Rekord im Rotlicht

Die Innsbrucker Polizei erstattete heuer 2500 Anzeigen wegen illegaler Prostitutionsausübung. Der Stadtpolizei-Chef wünscht sich schärfere Gesetze.

Prostituierte am Mitterweg in Innsbruck: Diese Straße hat den Südring als Zentrum des Straßenstrichs abgelöst.

© zeitungsfoto.atProstituierte am Mitterweg in Innsbruck: Diese Straße hat den Südring als Zentrum des Straßenstrichs abgelöst.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Kampf der Polizei gegen das illegale Rotlicht-Milieu in Innsbruck endet heuer mit einem Rekordergebnis: „Wir haben 2500 Anzeigen erstattet“, bestätigt Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler. Um 300 mehr als im Vorjahr. Kirchler räumt aber ein, dass die seit eineinhalb Jahren laufende Polizeioffensive den Straßenstrich zwar eindämmen, aber nicht beseitigen konnte: „Die illegale Prostitution gibt’s in Innsbruck natürlich immer noch, wenn auch in reduziertem Ausmaß.“ Am Südring – einst das Zentrum der verbotenen Liebe – seien inzwischen kaum noch Sexarbeiterinnen anzutreffen. Am Mitterweg hingegen schon. Der Grund: Hier stehen nicht nur Nacht für Nacht bis zu 15 Prostituierte auf der Straße, sie wohnen auch dort. Bei Kontrollen können sie sich rasch in ihre Garçonnièren zurückziehen. Und kaum rückt die Polizei ab, warten sie wieder am Straßenrand auf Freier. „Uns bleibt eigentlich nur, präsent zu sein“, sagt Kirchler: „Ohne den Kontrolldruck der Polizei würde die Situation anders aussehen“, sagt Kirchler.

Allerdings wünscht sich der Chef der Innsbrucker Polizei ein überarbeitetes Landespolizeigesetz, das den Beamten mehr Möglichkeiten im Kampf gegen den Straßenstrich einräumt.

„Uns bremst etwa, dass Prostitution als Fortsetzungsdelikt gewertet wird.“ Und das bedeutet, dass Prostituierte im Wiederholungsfall erst nach Abschluss eines Strafverfahrens erneut angezeigt werden können. Anders ausgedrückt: Bis zur Rechtskraft haben die Sexarbeiterinnen einen Freibrief. Und die Rechtskraft lässt sich durch Einsprüche wirkungsvoll verzögern.

„Wir bräuchten aber auch eine bessere Handhabe gegen die Freier“, sagt Kirchler. Und gegen jene Vermieter, die ihre Wohnungen Prostituierten für deren Arbeit zur Verfügung stellen. Zwar sieht das Landespolizeigesetz durchaus Versiegelungen von derartigen Apartments vor, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. „Die Wohnungen müssen bordellähnlich ausgestattet sein, was nur selten der Fall ist“, sagt Kirchler.

Politische Rückendeckung erhält der Stadtpolizeikommandant vom Landtagsabgeordneten Rudi Federspiel (FPÖ), der seit Jahren einen Sperrbezirk für Innsbruck fordert: „Wir brauchen Gesetze, um den Wohnungsvermietern das Handwerk legen und die Freier an die Kandare nehmen zu können.“

Dass die illegale Prostitutionsausübung als Fortsetzungsdelikt qualifiziert werde, sei ebenfalls nicht zielführend.

Federspiel empfiehlt seinen Landtagskollegen, sich die Prostitutionsgesetze in Wien zum Vorbild zu nehmen: „Dort werden die Frauen eingesperrt, wenn sie bei der illegalen Prostitutionsausübung erwischt werden.“ Im Gegenzug sei ein Sperrbezirk in Wien bereits seit Jahren Realität. Ein begrenzter Bereich also, in dem Sexarbeit erlaubt ist.